Schenken

Als kleines Kind
verschenkte ich,
mit vollen Händen,
freigiebig, alle Schätze,
die ich hatte ...

... und ich freute mich.

Für mich gab es nur meine Wahrheit ... und die Welt.

Nach vielen Phrasen wie:
„… ach, nein, ich brauch das nicht,
behalt das lieber mal für dich,
sonst hast du selbst am Ende nichts ...“
fragte ich mich:
„... ist schenken falsch?“

Und ich verstand es nicht.
Und niemand nahm mich an die Hand,
um mir von Herzen zu erklären:
Zu schenken, völlig unbeschwert,
ist wunderbar und schön ...
doch viele Menschen fühlen sich
nicht wert, beschenkt zu sein ...
... und fürchten sich davor ...
... ihr Herz würde so weit
und groß wäre ihr Schmerz,
denn die Fesseln um ihr Herz
schnitten dann tief ins eigne Fleisch ...

Und, ja, ich spürte diesen Schmerz
und ihnen wehtun wollt ich nicht,
denn ohne sie leben konnt ich nicht ...
... also begrenzte ich mein Herz,
behielt die Schätze oft für mich ...

Jetzt sitz ich hier im Mondenschein,
ich, der spiegelglatte See
und meine Wahrheit ganz allein,
um auszuruhn ...

... ich weiß, wie weh die Fesseln tun ...
... und weiß, mein Herz ist stärker
als die Grenzen aus Ängsten ...

... jetzt schenk ich wieder frei und froh ...

... und ich vertraue ...
... irgendwann
befreit sich auch das Herz
der Welt von seinem Schmerz ...    

Alma Katrin Wagener