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Auch das Ego braucht Liebe

Das Ego lieben heißt seine Bedeutung, seinen Wert und seine Funktion anerkennen und es gleichzeitig auch in seiner Begrenztheit und seiner begrenzenden Wirkung zu erkennen ...

Da allein schon der Begriff "Ego" inzwischen negativ beladen ist, nenne ich diesen Aspekt unserer Psyche "Retter & Beschützer", denn das bezeichnet und anerkennt, auf eine liebevolle Weise, seine Funktion.

Wenn ich mein Ego geringschätze und ablehne, stärke ich es auf subtile Art, denn es ist letztlich das Ego selbst, das sich ablehnt und bekämpft. Wenn ich möchte, dass es sich beruhigt und den Weg freimacht für mehr Sinn und Liebe, für mehr Lebendigkeit in meinem Leben, muss ich es anerkennen und lieben lernen.

Unser Ego hat sich notwendigerweise, vom Beginn unseres Erdendaseins an entwickelt, um unser Leben zu retten und zu beschützen. Ohne unser Ego wären wir gar nicht mehr hier, wir wären längst gestorben, und unsere Seele hätte nicht mehr die Möglichkeit, in diesem Körper weitere Erfahrungen zu machen, sich in diesem Leben weiter zu entfalten.

Unser "Retter & Beschützer" sorgt dafür, dass wir am Leben bleiben, indem er unerträgliche Gefühle und Impulse unterdrückt, sie ins Unterbewusstsein verschiebt und dort sozusagen zwischenlagert, solange die Wahrnehmung und der Ausdruck dieser Gefühle und Impulse real lebensbedrohlich ist oder scheint. Außerdem sorgt er mit allen erdenkbaren Tricks und Mechanismen dafür, dass wir in der Mangelsituation unseres späteren Lebens an möglichst viel Energie in Form von Anerkennung und materiellen Gütern kommen.

Das Ego ist überzeugt, in einer feindlichen Welt zu leben, es handelt aus Angst vor dem Tod und nicht aus Liebe. Sein Ziel ist es, das Überleben des Körpers zu sichern und damit die Basis
unseres Menschseins. Das ist seine Aufgabe, seine Funktion und auch seine Leistung, und hierfür verdient es wahrhaft unseren Dank und unsere Anerkennung.

Was das Ego nicht leisten kann, ist mehr Liebe, mehr Lebendigkeit und damit mehr Sinn in unser Leben zu bringen, denn gerade durch die Reduzierung unserer Lebendigkeit hat es uns ja gerettet und tut dies vermeintlich auch noch heute.

Wenn wir unsere Bedürfnisse nach mehr Liebe, Sinn und Leben erfüllen wollen, brauchen wir einen Weg am Ego vorbei. Als unser „Retter und Beschützer“ steht es wie ein Türwächter an der Pforte unseres Unterbewusstseins und verhindert das Auftauchen unterdrückter Gefühle und Impulse, da diese von ihm noch immer als lebensbedrohlich erlebt und bewertet werden.

Wenn wir heilen und uns entwickeln wollen, muss das Ego diesen Weg freimachen, es muss an die Seite treten und sich entspannen, und das kann und tut es eben nicht, wenn es bekämpft und abgelehnt wird.

Bekommt es hingegen die ihm gebührende Liebe und Anerkennung, entspannt es sich gern, schont seine Kräfte für echte Notsituationen und ermöglicht dadurch die wirklich wunderbare Entwicklung und Entfaltung unseres seelischen Potentials.

Vandan Ulf Münkemüller, HP (Psych.), Bielefeld