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Spirituelle Psychotherapie

Grundsätzlich können wir zwei Arten der Psychotherapie voneinander unterscheiden: Da wäre zunächst die klassische Psychotherapie, die sich aufgrund einer Diagnose, also dem Feststellen einer psychischen Störung oder Krankheit, auf unterschiedliche Weise bemüht, einen Zustand psychischer Gesundheit wiederherzustellen ...

... oder zumindest versucht, dem Patienten Denk- und Verhaltensregeln zu vermitteln, die sein Weiterleben und seine gesellschaftliche Funktionsfähigkeit ermöglichen.

Letztes Minimalziel ist das Verhindern eines Suizids und der Schutz der Gesellschaft.

Klassische Psychotherapie gründet auf einem naturwissenschaftlichen Verständnismodell der Psychologie, die Begriffe Psyche und Seele werden hier synonym verwandt, da nicht von einer Seele im spirituellen Sinne ausgegangen wird.

"Spirituelle Psychotherapie" nutzt all die Erkenntnisse und Möglichkeiten klassischer Psychotherapie und fügt sie in den Kontext eines spirituellen Verständnisses ein.

Sie geht sowohl von der Existenz einer menschlichen Seele als auch von der Realität einer geistigen, seelischen Welt oder Dimension aus.
Auch die Existenz einer göttlichen Kraft und die „Möglichkeit scheinbarer Unmöglichkeiten“ (Wunder) gehören zur Grundannahme dieser therapeutischen Richtung.

Grundsätzlich nehmen wir an, Seelen auf dem Weg ihrer Entwicklung und Entfaltung zu sein.

Wir gehen davon aus, dass dieser Weg sich über viele irdische Leben erstreckt, sich zu Beginn stark mit dem Erforschen materieller Gegebenheiten beschäftigt und sich schließlich, in den letzten Leben, mit der Entfaltung von Liebesfähigkeit erfüllt.

Wir menschlichen Seelen sind göttliche Funken oder Aspekte Gottes im Selbstversuch.

Mithilfe unseres Körpers, der uns als Vehikel und auch als Sensorium dient, ist es uns möglich, die Räume materieller Dualität zu erfahren und zu erforschen. Warm und kalt, hungrig und satt, stark und schwach, mächtig und ohnmächtig, fröhlich und traurig, geliebt und ungeliebt, verloren und geborgen usw. ...

All diese dualen Gegensätze lassen sich nur in einem Körper und durch einen Körper erleben und erforschen. Und dieses Erfahren und Erforschen verstehen wir als wesentlichen Teil der menschlichen Lebensaufgabe und des Lebenssinns.

Aus diesen Grundannahmen ergibt sich eine vollkommen andere psychologische Haltung.

Wir gehen nicht mehr von der Existenz psychischer Störungen und Krankheiten aus, die beseitigt werden müssten, sondern von sinnhaften psychischen Phänomenen, die der Erfüllung unseres Lebenssinns dienen.

Ziel spirituell psychotherapeutischer Begleitung ist ein wachsendes Verständnis der eigenen Lebenszusammenhänge innerhalb des seelischen Kontextes und die Fähigkeit, die inneren und äußeren Gegebenheiten liebevoll und wohlwollend anzunehmen, ganz gleich, ob sie als angenehm oder unangenehm erfahren werden.

Die Kernaussage spiritueller Psychologie könnte also heißen:

"ALLES IST GUT."

Alles ist gut, alles ist richtig, das Universum ist in Harmonie, und wenn es uns möglich ist, Verständnis und Hingabe für das Leben zu entwickeln, können wir diese Harmonie entdecken und uns in ihr geborgen fühlen.

Vandan Ulf Münkemüller, HP (Psych.), Bielefeld