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Psychotherapie – heilsame Begegnung

"Der Mensch ist des Menschen Medizin". Dieses afrikanische Sprichwort trifft für einen Menschen, der psychisch leidet, den Kern von heilsamer Begegnung, sei es mit Freunden, in der Beratung, im seelsorgerlichen Gespräch oder in der Psychotherapie ...

Was macht den Unterschied zur Psychotherapie? Psychotherapie ist die Behandlung eines Menschen, der psychisch oder körperlich schwer leidet, mit psychologischen Verfahren auf verbaler oder nonverbaler Ebene. Deshalb gibt es ausgebildete Psychotherapeuten. "PsychotherapeutIn" ist eine gesetzlich geschützte Berufsbezeichnung für ärztliche oder psychologische Psychotherapeuten mit Studium, mehrjähriger Fachausbildung und Approbation. Hier übernehmen gesetzliche Krankenkassen die Kosten kognitiv-behavioraler Therapie und tiefenanalytischer Verfahren. Mit einer Zulassung als HeilpraktikerIn oder HeilpraktikerIn Psychotherapie bieten Therapeuten mit unterschiedlichen Ausbildungen eine Vielzahl psychotherapeutischer Verfahren an.

Wenn jemand sagt: "Mit mir stimmt etwas nicht ...", "Ich bin so niedergeschlagen, dass ich den Tag nicht schaffe ...", "Ich habe soviel Schweres erlebt ...", was kann dann Psychotherapie bewirken? Folgende Wirkfaktoren sind wissenschaftlich untersucht: In der vertrauensvollen therapeutischen Beziehung wirken Einfühlungsvermögen, Wertschätzung und Respekt, emotionale Nähe und Echtheit der PsychotherapeutIn. Eine gute, fachlich kompetente PsychotherapeutIn kann noch mehr: Klärung betrifft Absprachen, transparentes Vorgehen, Erklärungen. Bewältigung bezeichnet das Vermitteln von Fertigkeiten und Übungen, wie z.B. Methoden zur Stressbewältigung. Problemaktualisierung meint die gemeinsame Arbeit an negativen Gefühlen, belastenden (Kindheits-)Erfahrungen, schädlichen Verhaltensweisen.

Resourcenaktivierung geschieht durch die Stärkung von Motivation, individuellen Fähigkeiten, von Selbstvertrauen und Selbstheilungskräften.

Je nach Leiden und Beschwerden des Patienten setzt die PsychotherapeutIn bestimmte Therapiemethoden ein, um gezielt zu unterstützen und Verschlechterung des Befindens zu vermeiden. Hilfreich ist es, der Patientin/dem Patienten den Zusammenhang von Diagnose, Indikation und Intervention zu erklären, auch weil Psychotherapie nicht immer so erfolgreich ist, wie die Patienten es sich wünschen.

Spezielle Techniken wie Selbstaffirmation, Familienstellen, Focusing, Krafttier-Reisen, Klopfen, EMDR sind keine schnellen "Zaubermittel", können jedoch wunderbar hilfreich sein, wenn sie stimmig und gut begleitet im psychotherapeutischen Zusammenhang eingesetzt werden.

So ist eine Psychotherapie wie eine zeitweilige Reisebegleitung in das Innere der Seele. Ob Leiden und schwierige Gefühle weniger werden, hängt auch von der Patientin/dem Patienten, der Unterstützung zu Hause und am Arbeitsplatz ab. Möge in diesem Sinne die Reisebegleitung eine heilsame Begegnung zweier Menschen sein.

Marie Wortberg, Heilpraktikerin, Diplom-Psychologin, Bielefeld