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Die Scheu vor der Psychotherapie

Wenn die eigenen Emotionen quälend geworden und die Gedanken in einer destruktiven Abwärtsspirale gefangen sind oder der Alltag zur Herausforderung mutiert ist, kann der Entschluss zur Psychotherapie der wichtigste und vielleicht auch einer der schwersten Schritte im Leben sein ...

„Ich bin doch nicht plem-plem!“

Kaum eine Behandlungsform ist mehr mit Scham behaftet als die Psychotherapie, übertroffen wird das vielleicht noch mit dem Gang zur Gynäkologin oder zum Urologen wegen Verdacht auf eine Geschlechtskrankheit. Das Gefühl, versagt zu haben, nicht mehr alleine klar zu kommen, das Private und die eigenen Gefühle vor einer fremden Person ausbreiten zu müssen – es ist entwürdigend. Warum empfinden wir das so?

Psychotherapie – nur was für komplett Verrückte und Versager?

Wir sind es von der Schulmedizin gewohnt, dass sie Symptome katalogisieren kann und die passende Medizin zur Linderung verabreicht. Es ist eine ihre fantastischsten Errungenschaften, dass sie Körper durchleuchten, beschauen und durch die kleinsten Öffnungen Eingriffe durchführen kann. Die Grenzen werden immer weiter gesteckt, die Lebenserwartung steigt stetig, zumindest in der westlichen Welt.

Wenn es um die Psyche geht, stößt sie schneller an ihre Grenzen. Da ist nichts greifbar, die Röntgenbilder zeigen keine verschrumpelte Seele, die in der Leber sitzt und vor sich hin kümmert. Erst bei ernsthaften psychischen Erkrankungen kommen Gehirnstoffwechsel und Neurotransmitter wieder in die Kataloge und werden entsprechend behandelt.

Die Scheu vor der Psychotherapie ist v.a. kulturell bedingt. In New York etwa findet man sich in gewissen gesellschaftlichen Kreisen in der Außenseiterrolle, wenn man nicht regelmäßige psychotherapeutische Sitzungen pflegt.

Die meisten Menschen, die sich einer Therapie öffnen, machen die Erfahrung, dass sie die Mechanismen, die sich hinter ihren Denkstrukturen verbergen, erkennen und verändern können. Sie lernen, dass sie alleine verantwortlich sind für ihre Gefühlslage und sind dann nicht mehr abhängig von ihrem sozialen Umfeld, dadurch erlangen sie seelischen Frieden und persönliche Freiheit. Das wiederum ist die Grundlage für spirituelles Wachstum, und deshalb wird häufig an irgendeinem Entwicklungspunkt die Schülerin/der Schüler von der Lehrerin/dem Lehrer dazu ermuntert, sich mit allem in der Tiefe auseinanderzusetzen, was sie/ihn daran hindert, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, das nicht von Ängsten bestimmt wird. Erst dann ist Entwicklung im spirituellen Sinne möglich und kann zur Erleuchtung und Selbstverwirklichung führen.

Maria Jeanne Dompierre, Dipl. Sozialpädagogin, Reiki-Großmeisterin, Aerzen