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Zuneigung und Wohlwollen

Einem anderen Menschen
wirklich mal zuhören
ist eigentlich gar nicht
so schwierig.

Einfach mal da sein,
den eigenen Krempel
einfach mal für eine Weile zurückstellen
und uns einem Anderen wirklich widmen,
ihm zuhören, ihn fühlen und sehen,
ist eine der wohltuendsten
und heilsamsten Erfahrungen,
die wir erleben und schenken können.

Und dennoch ist es auch
eine der herausforderndsten.

Denn wir alle sehnen uns natürlich danach,
selber gesehen, angenommen
und geliebt zu werden.
Kaum jemand hat als Kind
vollkommen sättigend Zuneigung
und Wohlwollen erfahren.
Kaum jemand ist in jeder Hinsicht
so umfassend geliebt worden,
dass kein Mangel, kein unerfülltes Bedürfnis
zurückgeblieben wäre.

Und so sind wir noch immer,
wie die Kinder, die wir waren,
bestrebt zu bekommen was wir brauchen.
Wir fordern und streiten,
wir kritisieren und fallen ins Wort,
wir schreien und krakelen,
um auf Teufel komm raus
zu erzwingen, dass man uns sieht,
dass man uns zuhört und versteht.

Und interessanterweise
trifft es dabei diejenigen am härtesten,
die wir lieben.

Ja, wir lieben diese Menschen wirklich,
aber solange wir uns verhalten
wie bockige Kinder,
wird es uns höchstens gelingen,
die Liebe aus unseren
Beziehungen herauszupressen.
Dann kann die Form, in der wir leben,
noch so schön sein,
aber sie hat dann keinen Inhalt mehr
und damit keinen erlebbaren Wert und Sinn.

Wenn wir Liebe und Sinn
in unserem Leben wollen,
wird es Zeit, immer wieder
über unsere Schatten zu springen,
mit dem Jaulen und Jammern aufzuhören
und liebevoll erwachsen zu werden.

Sich einem Anderen
eine Weile wirklich zu widmen,
ist nämlich nicht nur für den Anderen schön,
auch für uns selber ist die Erfahrung
liebevoll, wohlwollend und zugewandt
sein zu können, unbeschreiblich heilsam,
nährend und erweiternd. 

Vandan Ulf Münkemüller, HP (Psych.), Bielefeld