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Minimalismus – weniger haben, mehr leben?

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In vielen Bereichen der Gesellschaft findet aktuell ein Umdenken statt: Anstatt beim Produktkauf nur auf den Preis zu achten, spielen Aspekte wie Nachhaltigkeit für immer mehr Menschen eine wichtige Rolle. Aber nicht nur die Frage nach dem "Wie" in puncto Konsum wird bedacht, auch das "Wie viel" tritt langsam in den Vordergrund: Der Trend geht Richtung Minimalismus, "weniger ist mehr" lautet dabei die Devise. Dieser Ansatz bringt viel Positives mit sich – und ist dabei nicht unbedingt gleichbedeutend mit Verzicht ...

Mehr vom wichtigsten Gut

Der durchschnittliche Europäer ist Materialist: Im Schnitt besitzt jeder Einwohner unseres Kontinents etwa 10.000 Dinge, von der Büroklammer über Zeitschriften, Küchenutensilien und Möbel bis hin zu Haus und Hof. Eine BWL-Studentin machte die Probe aufs Exempel und hörte entnervt auf, als sie bei etwa 2.200 angekommen war.

Ihre Erkenntnis daraus: Würde es nicht glücklicher machen, weniger zu besitzen, sodass Neuanschaffungen zu etwas Besonderem würden, und dadurch wieder an Wert gewännen? Dieser Gedanke ist gar nicht so utopisch oder esoterisch aufgeladen wie er klingt, sondern hat einen handfesten Hintergrund: Denn Konsum kann zwar durchaus Freude bereiten, das aber allerdings nur bis hin zu einem bestimmten Punkt: Denn wer viel besitzen will, braucht dafür auch viel Geld, wer viel Geld will, muss viel arbeiten – und hat dementsprechend weniger Zeit. Und wenn nicht mehr genug Zeit da ist, um die materiellen Dinge zu genießen, bereiten diese auch keine Freude mehr. Das Wichtigste ist es also, genügend Zeit zu haben – schließlich ist sie etwas, das man nicht mit Geld kaufen oder zurückbekommen kann.

Minimalismus ist nicht gleich Verzicht

All das klingt zwar gut, bringt aber auch einige Herausforderungen mit sich. Denn wer wirklich minimalistisch leben will, verzichtet auch ganz bewusst auf viele materielle Dinge, die viele Menschen nicht als Luxus, sondern als Notwendigkeit begreifen. Und oft ist es in der Praxis so gut wie unmöglich, auf all diese Dinge zu verzichten, sofern man am normalen (Arbeits)Leben teilhaben will. Trotzdem ist das kein K.O.-Kriterium für die minimalistische Lebensweise, denn vieles muss man heute nicht mehr besitzen, um es nutzen zu können. Das Zauberwort heißt "Sharing Economy". Vom Auto bis zum Rasenmäher kann man sich heutzutage alles Mögliche von anderen Menschen ausleihen – mal gratis, mal gegen Entgelt.

Websites, die sich auf die Vermittlung solcher temporärer Tauschgeschäfte spezialisieren, gibt es mittlerweile viele. Und was für Alltagsgegenstände gilt, gilt in dieser Hinsicht auch für Besonderes. Selbst Wohnmobile kann man sich über entsprechende Portale von anderen Leuten mieten – schließlich will die gewonnene freie Zeit ja auch genutzt werden.

sk