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In Kontakt sein

In Kontakt sein bedeutet, für sich selbst und andere ein offenes Herz zu haben, jemandem oder sich selbst zu begegnen, ohne zu werten. Doch wie häufig gelingt es uns, niemanden zu beurteilen?

Im Laufe unseres Lebens haben wir durch die Erziehung und unsere Erfahrungen Vorstellungen entwickelt, wie wir zu sein haben. Alles was davon abweicht ist nicht richtig. Wir haben eine Persönlichkeit entwickelt, die den Maßstäben der Eltern und der Gesellschaft gerecht wird. Aber wer sind wir wirklich, wenn wir hinter die Fassade dieser Vorstellungen schauen?

Manchmal zwingt uns ein Lebensereignis oder eine Krankheit dazu, hinter diese Fassade zu schauen und wieder mehr in Kontakt mit uns selbst zu kommen. Unsere angepasste Persönlichkeit kann so nicht mehr weiter machen und funktioniert nicht mehr. Dann stürzt erst mal die Welt zusammen und die Frage taucht auf: „ Wer bin ich, wenn nicht diese Persönlichkeit?

In dieser Situation geht es darum, nach Innen zu schauen und wieder mehr mit sich selbst in Kontakt zu kommen. Dann ist es gut, wahrzunehmen was ist und sich damit voll und ganz anzunehmen. Und das ist vielleicht nicht die tolle unabhängige Frau, die niemals weint, alles selber geregelt bekommt und immer für andere da ist, sondern ein verletzliches, zartbesaitetes Wesen, bedürftig und klein.

Ja, das Schwierigste auf unserem Weg zu uns selbst ist es, die Vorstellungen, wie wir und andere zu sein haben, fallen zu lassen und unsere mühsam entwickelte Persönlichkeit sanft sterben zu lassen. Es geht darum, uns selbst einfach so anzunehmen und zu lieben, wie wir sind. Das ist der immer wiederkehrende Stirb- und Werde-Prozess im Leben, der eine Arbeit mit der eigenen Trauer und dem eigenen Schmerz beinhaltet. Aber es lohnt sich! Schwinden die Masken der Persönlichkeit können wir mit uns selbst und anderen Menschen wirklich in Kontakt kommen, werden glücklich und erfahren die Nähe, nach der wir uns alle sehnen. Wir können verschmelzen, weil die störenden Mauern wegfallen. Wir fühlen uns geliebt für das, was wir sind und nicht für das, was wir tun.

Heike Wilken, Dipl. Psychologin, HP (Psych.), Physiotherapeutin, Bielefeld