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Die Angst vor Entscheidungen: Wie man sie überwindet

Wer die Wahl hat, hat die Qual: Das blaue oder doch das rote T-Shirt? Nudeln oder Pizza? Zuhause auf der Couch bleiben oder auf die Geburtstagsparty gehen? Tatsächlich fallen einigen Menschen schon solch alltägliche Entscheidungen schwer. Und je gravierender die mit einer Entscheidung verbundenen (oder vermuteten) Veränderungen sind, desto mehr setzen sie sich unter Druck. Zu groß ist die Angst, eine falsche Entscheidung zu treffen ...

Auf den Bauch oder den Kopf hören?

In fast jeder Situation sind wir dazu gezwungen, eine Entscheidung zu treffen. Manchmal fällt das leichter, manchmal schwerer. Wer allerdings glaubt, dass andere sich von Natur aus „besser“ entscheiden können als man selbst, der täuscht sich – das ist zumindest die Ansicht des Psychologen Tobias Kalenscher: Jeder könne lernen, sich zu entscheiden. Wichtig sei aber, dass man dabei nicht unter Zeitdruck steht: Denn bei Stress werden die Hormone Cortisol und Noradrenalin ausgeschüttet, die Angstzustände begünstigen.

Da wir Argumente je nach Tagesverfassung, Stimmung und durch den Einfluss anderer Menschen unterschiedlich bewerten, rät Kalenscher, im Zweifel auf den Verstand zu hören und Entscheidungen erstmal zu überdenken, statt sie spontan und emotional zu treffen. Hilfreich seien auch klassische Pro- und Contra-Listen, um die verschiedenen Möglichkeiten abzuwägen. So kann beispielsweise das Bauchgefühl bei einem neuen Job in einer anderen Stadt noch so gut sein – wenn man sich den Umzug und die Miete am neuen Wohnort nicht leisten kann, dann überwiegen die Nachteile.

Unnötiges Grübeln vermeiden

Außerdem müssen Entscheidungen nicht so endgültig sein, wie sie oft erscheinen: Wer sich etwa auf Probe von seinem Partner trennt, der kann nach einer Pause meist besser beurteilen, ob er sich damit besser fühlt, der Beziehung noch eine Chance zu geben oder sie zu beenden. Allerdings ist nach Kalenscher auch zu langes Grübeln hinderlich. Das sehen auch erfolgreiche Prominente so: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg etwa will in seinem Leben möglichst keine unwichtigen Entscheidungen treffen, sondern seine Energie stattdessen lieber dem sozialen Netzwerk widmen. Da selbst kleine Entscheidungen wie die Kleidungswahl Zeit kosten, trägt Zuckerberg nach eigener Aussage jeden Tag Kapuzenpullover und T-Shirts. Männer, die im Job einen Dresscode einhalten müssen und jeden Morgen Stunden vor dem Kleiderschrank verbringen, können sich demnach mit bügelfreien klassischen Business-Hemden aus hochwertigen Materialien und dezenten Farben Nerven und Zeit sparen und diese Energie wiederum in ihren beruflichen Erfolg stecken.

Zu lange über die Wahl des Hemdes oder der Schuhe nachzudenken, endet meist damit, dass man sich mit keiner Entscheidung wohlfühlt.

Mut zur Veränderung

Andauernd über verpasste Gelegenheiten zu sinnieren, führt letztlich nur zu einem Perfektionismus, der uns schadet – und zwar nicht nur seelisch, sondern auch körperlich. Das kann im schlimmsten Fall eine Decidophobie zur Folge haben, eine Angststörung, die sich in Symptomen wie Herzrasen, Kreislaufproblemen und Bauchschmerzen äußert. Damit es nicht so weit kommt, ist Mut zu Veränderung gefragt.

Dabei sollte man sich immer bewusst machen: Das Leben ist eine Abfolge von Entscheidungen und eine Fehlentscheidung beziehungsweise ein Neuanfang ist keine Katastrophe. Manchmal muss man den Sprung ins kalte Wasser wagen, um festzustellen, dass die Möglichkeit der Entscheidung letztlich auch Freiheit bedeutet.

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