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Aggression und Liebe

Aggression und Liebe sind zwei Grundkomponenten eines glücklichen Lebens. Eine Liebesbeziehung ist auf die Dauer umso erfüllender, je mehr Liebe und Aggression in ihr befreit gelebt werden ...

Jedoch werden Liebe und Aggression von uns häufig als Gegensätze gesehen und erlebt, in unserem Wertesystem ist Liebe etwas Gutes und Aggression ist schlecht, Liebe wird angestrebt und Aggression wird vermieden und abgelehnt. Das führt dazu, dass Liebes-Beziehungen ihren Reiz verlieren, sie werden kraft- und leblos und häufig auch asexuell.

Dabei ist Aggression (lat. agreddi: herangehen) ursprünglich ein vollkommen reiner, seelischer Impuls. Unsere Seele, die ins Leben strebt, die alle ihr möglichen Räume erfahren und erleben will, kann dies nur mit Aggressivität erreichen.

Ein Liebespartner, der zum anderen sagt: “Ich will dich!“, verhält sich in diesem Moment aggressiv, denn er geht lustvoll aus sich heraus, und wie schön ist es doch, so etwas vom anderen zu hören! Die besten Freunde sind doch die, mit denen wir Pferde stehlen können, denn das macht Spaß und ist spannend, gerade weil es verboten und aggressiv ist.

Natürlich gelebte Aggression ist Leben, das lustvoll nach außen strebt. Aggression ist der deutliche, kraftvolle und freudige Ausdruck dessen was wir wollen und was wir nicht wollen, unser JA und unser NEIN!

Aggression ist nötig, um unsere Grenzen zu formulieren und für ihre Einhaltung zu sorgen, und sie ist nötig, um unseren Willen zu formulieren und zu verwirklichen.

Nun aber noch eine kleine Abgrenzung:

Neben der freudvollen, schöpferischen Aggression, die direkt unserer Seele entspringt, gibt es auch noch die ernsthafte, zerstörerische Aggression aus der Quelle unserer Angst.

Aus Angst vor der Zerstörungskraft dieser angstvollen Aggression neigen wir dazu, Aggression grundsätzlich zu verurteilen und abzulehnen.

Hierdurch trennen wir uns allerdings von der Gefühlsklarheit unserer Seele, von der Brillianz unserer Intuition und von der Quelle unserer Lebensfreude.

Die Unterdrückung von natürlicher Aggression führt zu ihrer Umlenkung und aus ihrer eigentlich schöpferischen Qualität wird nun eine zerstörerische, die sich dann auch gegen uns selbst richten und uns ernsthaft psychisch und körperlich krank machen kann.

Diese beiden Arten von Aggression unterscheiden zu lernen, ist einfach möglich und außerordentlich hilfreich auf dem Weg unserer körperlichen Gesundung und seelischen Entwicklung und zudem ein Meilenstein bei der Wiederentdeckung unserer Vitalität und Lebensfreude.

Vandan Ulf Münkemüller, HP (Psych.), Bielefeld