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Immer, wenn Du meinst, "es geht nicht mehr" ...

... ist es vollkommen legitim, sich erst einmal hinzusetzen, durchzuatmen und dann den Mut zu haben, sich an jemanden zu wenden, der sich damit auskennt. Denn: Eine Krise kann eine Chance sein ...

Der Körper spricht seine eigene Sprache, für die der Geist erst Worte finden muss, und das benötigt Zeit und Einkehr.

Ist es nicht am schwersten, zu sich selbst zu finden … sich selbst zu finden, nachdem man nicht einmal weiß, wo man am besten suchen soll?

Einkehr – gerade jetzt in den dunklen Monaten haben wir Zeit zur Einkehr. Das geschäftige Leben darf langsamer werden. Ich darf mich meinen "Zipperlein" widmen und fühlen, woher sie kommen. Ich darf mich bei Kerzenschein in mein gemütlichstes Zimmer setzen und in mich hineinfühlen, um mich zu verstehen.

Mag es der Zweifel an meiner Gesundheit sein oder vielleicht sogar eine Diagnose, die ich erst einmal „verdauen“ muss. Alles hat Zeit – seine Zeit.

Krisen sind dazu da, sich neu zu orientieren oder sogar einen vollkommenen Neuanfang zu starten.
Das sehen wir besonders bei schweren Erkrankungen, die ja zuerst erst einmal nur schwere Diagnosen sind. Da steht die Frage an: Bin ich die Diagnose oder ist es nur das Resümee aller Beschwerden, die ich beklagt habe?

Kann ich vielleicht, wenn ich es mir richtig überlege, einen Teil der Klagen schon als so gering einstufen, dass ich mich erst einmal mit den wirklich großen Dingen beschäftigen kann?

Die Erkenntnis: ich bin nicht meine Krankheit, sondern ich habe Symptome – ist der erste Schritt, Prioritäten zu setzen. Lassen Sie sich nicht durch schwierige Situationen oder Diagnosen unterkriegen. Sie sind der Meister Ihrer Seele und Ihres Körpers. Erfragen Sie Hilfe bei Menschen, die sich mit Problemen und Diagnosen wie Ihren auskennen, aber geben Sie sich nicht Ihrem Leiden hin.

Krisen gleichen alten lauten Weckern: Wachen Sie auf und ändern Sie das, was Sie in die Situation gebracht hat. Da fällt mir ein Lied von Rio Reiser (bzw. Ton Steine Scherben) ein: "Macht kaputt, was euch kaputt macht ..." Das ist etwas schlicht und pathetisch, trifft aber den Nagel auf den Kopf.

Ändern sie etwas: Haben Sie Ischias, überlegen Sie, ob Sie (Mann) vielleicht die Geldbörse in der Gesäßtasche mit sich herumtragen oder stellen Sie sich die Frage: Was kann ich nicht mehr tragen und was lässt mich erstarren. Sind Sie genervt, weil Sie tagtäglich mit den gleichen Problemen konfrontiert werden? Sagen Sie denen, die Sie nerven, sie sollen etwas ändern. Aber als Erstes: Ändern Sie sich.

Seit 40 Jahren habe ich den Spruch "Nichts ändert sich – außer Du änderst Dich" an meinem Schuhschrank kleben und, glauben Sie mir, auch nach dieser langen Zeit, ist er mehrfach im Jahr ganz wichtig für mich.

Krisen sind Geschenke. Ver-zwei-flung entsteht, weil man sich nicht ein-ig ist. Zwei-fel hat man nur, wenn man sich nicht zwischen dem einen und dem anderen (zweiten) entscheidet.

Lernen Sie, sich zu entscheiden – immer wieder aufs Neue. Jede Minute im Leben ist eine Entscheidung zu leben, machen Sie sich das einmal bewusst. Dann können Sie sich für jede Krise bedanken, weil sie Sie wieder einen Schritt weiter gebracht hat.                                          

Kristina König, HP, Bielefeld