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Die innere Burn-out-Krisensitzung

Burn-out, Burn-out ... Burn-out? An einem verregneten Dienstagnachmittag war es soweit – alle konnten kommen und wir setzten uns an den Küchentisch ...

"Zur Lage, ich fasse zusammen", begann die praktische Frau Check und wischte sich die feinen Schweißperlen von der Stirn, "wir stecken fest. Sehr viel zu tun. Kaum Zeit dafür. Wir müssen uns anstrengen, sonst wird das nichts."

"Anstrengen allein reicht nicht", flötete Miss Perfekt und feilte an ihren langen Nägeln. "Wir sollten auf jeden Fall auch gut aussehen dabei!" Oh nein, die schon wieder – sofort fühlte ich mich schlecht frisiert, was ich auch war. "Genau", pflichtete ihr der kleine Vergleicher zu und legte eine lange Liste der erfolgreichen gut aussehenden Menschen vor, die es allesamt besser machten. "Hier!", er klopfte energiegeladen mit dem Kugelschreiber auf die Top Five.

Die praktische Frau Check bekam davon eine Hitzewelle und stürzte ein Glas Wasser hinunter. "Also, wenn es um Listen geht – bitte sehr – ich habe auch eine!" Hektisch scrollte sie auf dem Smartphone herum: "Wo ist die denn bloß wieder, diese neue To-Do-Listen-App!"

Da schaltete sich der technische Leiter ein – welche Innovationen man sich nun dringend mal draufschaffen müsse und überhaupt, so ginge das nicht, und da ihm, wie immer, niemand lange zuhören konnte, wurde er immer leiser.

"Liebe Leute, das sind doch alles Luxusprobleme. Habt ihr heute schon die Nachrichten gesehen? Schaut euch in der Welt um – gibt es überhaupt noch Hoffnung für die Menschheit?" Frau Sorgenspinne verteilte ihre grünen Smoothies – mit diesem Satz hatte sie das Energieniveau der Konferenz an den Nullpunkt gebracht.

"Ich mag das Grüne nicht. Ich will Schokolade und hab keine Lust mehr", das innere Kind rannte raus. Wie immer saßen nämlich draußen die interessanteren Erwachsenen. Wieso wurden die eigentlich nie eingeladen zu diesen langweiligen Krisengesprächen? Herr Achtsam lag entspannt im hohen Gras und beobachtete die Wolken. Die alte Frau Weisheit ließ sich die warme Sonne ins Gesicht scheinen, und Madame Molly Sensual räkelte sich wollüstig in der Hängematte. Die Zwillinge Crea und Tivy spielten Gitarre und sangen. Hinter der Hecke wühlte Frau Pflanz fröhlich mit beiden Händen in der Erde, während der junge Happy Move in der großen Birke herumkletterte.

Ich konnte sie vom Küchenfenster aus sehen. Die Weise Alte winkte mir zu. "Los, komm raus!"

Soll ich?

Ja, wir laden gewohnheitsmäßig immer die gleichen Leute zu unseren inneren Konferenzen ein. Das hat mit alten neuronalen Vernetzungen in unserem Gehirn zu tun. Gewohnheiten, die uns einstmals halfen, werden fix und starr – und je größer der Druck von außen, umso rigider beharren wir auf dem scheinbar erprobten Team der Anstrengung und Sorge. Die gute Nachricht ist, dass da draußen, in der Natur unserer lebendigen Psyche, wirklich gute Kräfte darauf warten, uns zu unterstützen. Eine Entdeckungsreise lohnt sich! In der Psychotherapie arbeiten wir mit diesen Ressourcen, um Burn-out zu vermeiden oder zu behandeln.

Und ja – ich bin dann rausgegangen ... sonst hätte ich das Lied von Tivy nicht gehört, die Umarmung von Frau Weisheit nicht genossen ... und dieser Text wäre nicht entstanden.

Antje Uffmann, HP (Psych.), Bielefeld