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Fühlen, nicht wissen oder kopflos handeln

Kennen Sie das nicht auch? Immer wieder suchen Sie nach Lösungen im Kopf, zermartern sich das Hirn, um den richtigen Weg zu finden. Was ist zu tun? Was ist richtig? Sie wollen nichts falsch machen und wägen daher alles ab ...

Kreisende Gedanken rauben Ihnen den Schlaf. Aber was ist wirklich richtig für Sie? Gibt es überhaupt richtig und falsch?

In einem Roman, den ich letztens las, befand sich eine Frau in einer Lebenskrise. Sie hatte sich scheiden lassen und alles verloren. Dann hatte sie die Möglichkeit einem Heiler eine Frage zu stellen und eigentlich lagen Ihr Fragen zu diesem spezifischen Problem auf der Zunge, aber als sie vor dem Heiler stand, fragte sie ihn: "Wie kann ich eine anhaltende Gotteserfahrung machen?" Als Antwort bekam sie eine Zeichnung. Es war eine androgyne Gestalt, aufrecht stehend und die Hände zum Gebet gefaltet. Allerdings hatte die Person vier Beine und keinen Kopf. An der Position des Kopfes befand sich wildes Laubwerk, und über dem Herzen sah man ein kleines lächelndes Gesicht. Dazu sagte er: "Damit Sie das Gleichgewicht finden, das Sie sich wünschen, müssen Sie so werden. Sie müssen auf dem Boden stehen als hätten Sie vier Beine, aber Sie müssen aufhören, die Welt mit dem Kopf zu betrachten. Sie müssen mit dem Herzen sehen." (Elizabeth Gilbert; Eat; Pray; Love)

Dies ist ein sehr schönes Bild und es macht deutlich, dass unser Verstand nicht der Ort ist, der uns den Weg weisen kann dort hin, wo ein kreativer Impuls entsteht. Dieser Ort liegt tiefer in uns, jenseits der Gedanken, Wertvorstellungen und Moral. Es geht darum, die Gedanken zu durchtrennen und durch sie hindurch tiefer zu gehen, im Sein anzukommen. Dort ist der Ort, wo nicht der Verstand weiß und herrscht, aber wo Impulse aus dem "Nicht-Wissen" heraus entstehen. Impulse aus dem Jetzt; ein Bauchgefühl, die Stimme des Herzens ...

Diese Impulse sind für den Verstand manchmal sehr unverständlich. Vielleicht machen sie sogar Angst, sie widersprechen der eigenen Moral, den eigenen Werten, die wir erlernt haben, oder sie erscheinen unmachbar. Wo mag dieser Impuls nur hinführen?

Ich glaube, diese Impulse hat vielleicht jeder schon mal wahrgenommen. Ihnen bedingungslos zu folgen, ohne zu wissen, wohin sie uns führen, das ist Gottvertrauen. Probieren Sie es aus. Gehen Sie in die Stille, öffnen Sie sich dem Raum jenseits der Gedanken, des bewussten Verstandes und handeln Sie danach. Seien sie kopflos! Ich muss nicht wissen, Es/Gott weiß und führt und begleitet mich auf meinem Weg.

Heike Wilken, Dipl. Psychologin, HP (Psych.), Physiotherapeutin, Bielefeld