Zeitenwende / Themen / Körperbewusstsein / Körper-Bewusstsein

Körper-Bewusstsein

Was bedeutet es, sich seines Körpers bewusst zu sein? Bewohnen wir unseren Körper mit Achtsamkeit und Aufmerksamkeit? Genießen wir die Sinnlichkeit des Lebens in all ihrer Bandbreite? Erlauben wir uns, tief verwurzelt zu sein im Irdischen und dies als Basis unserer gelebten Spiritualität anzunehmen?

Sich in seiner Körperlichkeit zur Gänze anzunehmen, fällt schwer. Oft verfallen wir in Selbstablehnung, weil wir meinen, den allgemeingültigen Normen nicht zu genügen. So finden wir heute auf der einen Seite eine Überbetonung der Körperlichkeit mit einseitiger Fixierung auf Fitness, Schlankheit und Makellosigkeit. Auf der anderen Seite finden wir eine Tendenz zur Vernachlässigung der eigenen Körperlichkeit, schlechten Ernährungsgewohnheiten und mangelnder Bewegung. Beide Pole können als ein Ausdruck mangelnder Selbstliebe gesehen werden. Oft findet sich ein tief verankertes Gefühl von „Ich bin nicht in Ordnung, so wie ich bin, und kann mich selbst nicht annehmen“. Ein hohes Maß an negativer Gedankentätigkeit untermauert diese Selbstablehnung noch zusätzlich und ein nagendes Gefühl von Belastung sabotiert die Lebensfreude.

Gönnen wir unserem Körper das natürliche Bedürfnis nach lustvoller Bewegung, das Spüren der eigenen Kraft und Beweglichkeit, die Schönheit und Eleganz der Bewegungsabläufe? Folgen wir unseren Impulsen nach frischer gesunder Nahrung oder haben wir uns schon soweit von unserem Ursprung entfernt, dass unsere Instinkte nicht mehr wahrnehmbar sind, dass Hunger- und Sättigungsgefühl nicht mehr den natürlichen Rhythmen folgt? Sind wir nicht schon längst vom Überangebot an Nahrung völlig übersättigt und müssen uns eingestehen, dass unsere schlechten Ernährungsgewohnheiten mittlerweile schon fast Suchtcharakter angenommen haben und der eigene Mangel damit kompensiert wird?

Worum geht es? Maßvoll in die eigene Mitte zu kommen, eine Ausgewogenheit herzustellen. Ohne das Bewusstsein, dass wir unseren Körper als den Tempel unserer Seele schätzen und ehren dürfen, fehlt etwas Essentielles. Das, was wir im Herzen, im Innersten entwickelt haben, ist das, was am Ende ein erfülltes, mit allen Sinnen in Freude, Lust und Liebe gelebtes Leben ausmacht. Und dieses Leben findet in und mit unserem Körper statt. Ein Körper, mit Liebe angenommen, umhegt und gepflegt, wohl genährt mit bekömmlicher Nahrung, vital durch ausreichende Bewegung, ist Ausdruck von Selbstliebe. Unser Körper spiegelt uns auf einfache und ehrliche Weise, wie es um unsere Selbstliebe bestellt ist. Sie gilt es zu kultivieren und aus dieser Position heraus darf Veränderung auf mühelose Weise geschehen. So kann unser Körper wahrhaft zum Tempel unserer Seele werden und Basis sein für lebendige, mit allen Sinnen gelebte Spiritualität.

Gundula Adler