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Die Klassische Homöopathie

Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden! Die Klassische Homöopathie stellt ein eigenes, komplexes Heilverfahren dar. Was unterscheidet diese Methode von anderen ...?

Der Mensch ist ein ganzer, einheitlicher Organismus. Diese Feststellung klingt erst einmal völlig selbstverständlich, wird aber oftmals in der Medizin nicht so gehandhabt. Wir sind es gewohnt, Symptomenkomplexen einen Namen zu geben und diese dann zu behandeln. Dazu ein Beispiel: Wenn uns das Frühjahr mit einer verstopften oder fließenden Nase begrüßt, die Augen jucken, gerötet oder gar geschwollen sind, wir Nies-Attacken haben und wir uns obendrein noch müde und abgeschlagen fühlen, nennen wir das Heuschnupfen. Sicherheitshalber lassen wir einen Allergie-Test durchführen, besorgen uns Medikamente, die diese Symptome beruhigen und überlegen uns eine Strategie, wie wir damit umgehen können. Wer fragt danach, dass wir seit unserer Kindheit Dunkelheit und Gewitter möglichst nur in Gesellschaft erleben, wir uns schlecht konzentrieren können und zunehmend regelmäßig essen und trinken müssen, damit wir einigermaßen leistungsfähig bleiben? Erst, wenn diese Symptome, die doch anscheinend mit den anderen nichts zu tun haben, uns oder unserer Familie Sorgen bereiten, werden wir Spezialisten aufsuchen und nun, getrennt von der ersten "Erkrankung" um Behandlung bitten. Warum sollten wir alles zusammen betrachten? Weil alle Symptome einen Organismus betreffen, dessen Psyche, Stoffwechselvorgänge und Organfunktionen in Wechselwirkung stehen!

Der Begründer der Klassischen Homöopathie, Samuel Hahnemann, suchte seinerzeit nach allgemeingültigen Prinzipien, auf die er eine brauchbare Therapie aufbauen konnte. Schließlich fand er durch Selbstversuch heraus, dass eine Arznei, die eine bestimmte Symptomatik bei einem Gesunden hervorbringt, imstande ist, Kranke mit genau diesen Symptomen zu heilen. Dabei berücksichtigte er die körperliche Ebene genauso wie die Geistes- und Gemütsebene.

"Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden" – so seine Erkenntnis.

Da Hahnemann aber zunächst die Erfahrung machte, dass je nach Ausgangsstoff heftige Reaktionen möglich waren oder auch ungenügende Wirkung erzielt wurde, entwickelte er schließlich das Verfahren der Potenzierung. Damit wurde einerseits die Arzneimittel-Dosis verringert, andererseits aber trotzdem die Wirksamkeit gesteigert. Eine weitere Säule dieses Therapieverfahrens ist, dass Einzelstoffe verabreicht werden, für die genaue Arzneimittelbilder bekannt sind. Der Minimal-Reiz des passend ausgewählten Mittels genügt, um umfassende Heilung anzustoßen. Außer in sehr niedrig gewählten Potenzen ergänzen die Mittel nicht im Körper fehlende Stoffe, sondern sie wirken stärkend und ausgleichend auf die – wie Hahnemann es nannte – "Lebenskraft". Sie sind sozusagen Hilfe zur Selbsthilfe. Heute, wie damals.

Karin Tünnermann, Heilpraktikerin, Auetal