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Medizinisches Cannabis

Trotz Behandlungserfolgen und Legalisierungen in vielen Ländern fehlen klinische Studien ... Alle Welt diskutiert über die Legalisierung von Cannabis – zumindest zu medizinischen Zwecken ...

Viele Patienten schwärmen von der schmerzlindernden oder der antiepileptischen Wirkung des angepriesenen Wundermittels. Während die Politik in immer mehr Ländern den Weg für die Freigabe zu medizinischen Zwecken ebnet, erforscht die Medizin nur allmählich die vielfältigen Wirkungen der Cannabinoide – so gibt es noch immer große Wissenslücken. Groß angelegte Studien fehlen weitgehend. Ein Einblick.

Als Schmerzmittel bewährt

Als Schmerzmittel haben sich cannabishaltige Medikamente bereits bewährt: In Ländern wie Israel gibt es solche Medikamente schon seit langem; tausendfach werden Patienten ganz legal mit der Droge versorgt – vorwiegend zur Schmerztherapie. Die Zeitung "Die Welt" konnte in Erfahrung bringen, dass jährlich 25.000 Patienten Rezepte für Cannabis bekommen. Darüber hinaus wird auch Epilepsie mit Cannabis behandelt. Es kann gegen Stress, Schlaf- und Essstörungen helfen. Zudem kann es diesem Artikel zufolge eventuell auch bei der Mitochondrialen Erkrankung, dem Tuberösen Sklerose-Komplex oder einigen weiteren seltenen Krankheiten helfen. Bei vielen dieser seltenen Fälle handelt es sich um Erkrankungen, die ebenfalls Anfälle, chronische Schmerzen oder neurologische Störungen zur Folge haben.

Studien fehlen noch immer

Problematisch ist aus der Sicht vieler Mediziner, dass noch immer großangelegte Studien fehlen, die einwandfreie Rückschlüsse auf die Wirksamkeit von Cannabis zulassen. Die ÄrzteZeitung berichtete kürzlich über Cannabis als Antiepileptikum, sieht in dem Stoff aber eher ein zweischneidiges Schwert: So half Cannabisöl zwar einem am Dravet-Syndrom erkrankten Mädchen und reduzierte die Zahl der Anfälle deutlich; andererseits berichtet der Artikel auch von Epileptikern, bei deinen der gegenteilige Effekt durch das Rauchen eines Joints erzielt und Anfälle erst ausgelöst wurden. Immerhin wurde an Tierversuchen erwiesen, dass die in Cannabis enthaltenen Cannabinoide epileptische Anfälle schneller beenden. Der Grund: Die Wirkstoffe schalten bei einem Anfall die überaktiven Synapsen ab. Um Licht ins Dunkel zu bringen, wären jedoch größer angelegte Studien nötig. Der spanische Mediziner Mariano García de Palau sieht hier einen Widerspruch: "Es ist das Paradox, dass wir bereits mit guten Ergebnissen Krebspatienten mit THC behandeln, und dass man noch immer keine valide, klinische Studie an Menschen zur Wirkung auf den Weg bringen konnte", zitiert ihn die österreichische Zeitung "Der Standard".

Hoffnung für eine fortschreitende Erforschung der Inhalts- und Wirkstoffe machen zumindest die zahlreichen Legalisierungen in vielen Ländern – jüngst unter anderem auch in Florida. Auch in Deutschland soll ab 2017 der Zugang erleichtert und Cannabis auf Rezept freigegeben werden. Bedingung für eine Kostenerstattung der Medikamente ist jedoch eine Studienteilnahme der Patienten. Damit sollen die notwendigen Daten erhoben und Cannabis und seine arzneiliche Wirkung weiter erforscht werden.

sk