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Tanz und Ritual im Frauenkreis

Einer der faszinierendsten Übergänge im Jahreskreis ist der Prozess von der winterlichen Ruhe in die Kraft des aufsteigenden Lichtes Anfang Februar – Lichtmess. Seit alters her wurde hier ein Frauenfest gefeiert, das Fest der Göttin in ihrer Gestalt als Jung-Frau, als Lichtbringerin, Frühlings- und Liebesbotin ...

Die christliche Religion übernahm ein Lichterfest der Juno Februata und machte das uns heute bekannte Lichtmess-Fest daraus, das Fest der Reinigung Mariä. Denn gemäß der patriachalischen Vorstellung des Juden- und Christentums wurde eine Frau, die ein Kind geboren hatte, durch diesen Prozess "unrein": nach der Geburt eines Sohnes für vierzig Tage und sogar achtzig Tage nach der Geburt einer Tochter. Ihre rituelle Reinigung fand nach Ablauf der Frist als „Aussegnung“statt. Dieses bestand u.a. darin, mit einer brennenden Kerze in der Hand dreimal um den Altar zu gehen. Welch ein Lichtritual! Es hat viel eher die Anmutung, dass die Frauen, die durch ihre Mutterschaft Leben ans Licht gebracht hatten, den Altar segneten, als dass das Abwertende der Notwendigkeit einer Reinigung durch die Kirche sichtbar geworden wäre.

Im Frauenkreis greifen wir die Winterschlafstimmung des Januars mit Meditationen und ruhigen Tänzen auf, um in Einklang mit der noch sehr stillen Natur zu kommen. Das tut so gut. Denn im äußeren Leben haben gleich nach Neujahr die Verpflichtungen wieder begonnen, uns zu vereinnahmen. Wir nehmen uns Ruhe und Zeit zur Besinnung auf uns selbst, um im Innern den Impulsen, die das neue Jahr für uns bereithält, auf die Spur zu kommen.

Wie möchte ich dieses Jahr für mich gestalten?

Welche Pläne oder Projekte stehen an? Die inneren Bilder dazu, die Sehnsüchte, Wünsche und Träume sind im Herzen gespeichert. Sie sind nicht irgendwelche Hirngespinste, sondern Ausdruck unseres Potentials, dessen was zu leben wir durchaus im Stande sind.

In einer Atemmeditation verbinden wir wellenartig Bauch, Herz und Stirn, Stirn, Herz und Bauch ... Unsere Herzensangelegenheiten werden somit einerseits durch die erdige Bauch- und Beckenkraft gestützt und andererseits durch das dritte Auge in den geistigen und visionären Raum gehoben. Wir vertiefen die Atmung, den Fluss der Lebensenergie in uns durch Körperübungen.

Alle Veränderungen haben ihren Anfang im Innern

Für alle Projekte – seien sie groß oder klein – braucht es ein gutes Bauchgefühl, ein offenes Herz, eine Vision und geistige Klarheit. Und es braucht das Loslassen. Im bewussten Wahrnehmen und dadurch Zulassen von Ängsten, Unsicherheiten und Zweifeln lernen wir die Stimmen in uns kennen, die uns so oft behindern, das zu tun wonach das Herz sich sehnt. Wir forschen nach: Was kann ich loslassen? Und wo hat möglicherweise die zweifelnde Stimme recht, weil eine Idee vielleicht noch nicht ausgereift genug ist?

In diesem "Hin- und Her-Prozess" sind die vielen traditionellen Kreistänze äußerst hilfreich, wenn sie uns vor und zurück, hin und her über die Schwelle tragen, bevor es mit deutlichen Schritten vorangeht.

In den mythologischen Quellen, diese Jahreszeit betreffend, finden wir das Bild der Weißen Göttin, der jungen Frau, die frei und unabhängig ihr Leben gestaltet. Dieser freie Geist der Jungen-Frauen-Kraft ist Teil der weiblichen Natur, mit dem wir uns jederzeit verbinden können, egal wie alt wir sind. Er ist dem jugendlichen Aspekt der Mondgöttin zugeordnet, ihrer Gestalt als zunehmende Mondsichel. Und wie schön sie gerade in der dunklen Jahreszeit erscheint, wenn sie still und scharf in der kalten Luft eines Winterabends steht!

Einer ihrer Aspekte ist die amazonische Energie. Im Bild des Bogens findet sich die Sichelform, ihr junger Geist sprüht von Inspiration und Tatkraft. Die amazonische Energie ist sich selbst genug. Ihre männliche Qualität gibt die Kraft, auf eigenen Beinen zu stehen, Standpunkte zu vertreten und auch den Schutz für das Zarte und Verletzliche, das Teil des Jugendlichen wie des Neuanfangs ist.

Amazone

Den Bogen spannen

Eine Übung aus dem Tao inspirierte mich zu einem rituellen Kreistanz der Amazone: "Den Bogen spannen" ist eine Aktivierung des Dickdarmmeridians, der das Loslassen von alten Vorstellungen und festgefahrenen Mustern unterstützt. Gleichzeitig weist diese Übung in die sprirituelle Dimension des Bogenschießens: das Loslassen, um ein Ziel zu erreichen, bedeutet, sich der inneren Führung anzuvertrauen und somit auf einem weiblichen Weg die Dinge in die Welt zu bringen.

Die vorbereitende Arbeit für das Ritual bestand für die Frauen darin, eine Collage herzustellen, die die innigsten Wünsche und Träume zum Ausdruck bringen sollte. Der Vision sollte ohne Wertung und Zensierung Raum gegeben werden.

Im Weiß der Sichelmondin festlich gekleidet, erscheinen die Frauen mit ihren Werken zum Ritual. Die großen und kleinen Blätter bilden in der heiligen Mitte einen zauberhaften Teppich; Zeichnungen, Aufgeklebtes, Fotos und Worte verknüpfen und verweben sich zu einer einzigen lichtvollen Vision von Kreativität und Liebe, Lebensfreude und Erfüllung.

Wir bitten um den Segen für unsere Vorhaben, indem wir die mitgebrachten weißen Kerzen entzünden. Das Licht dieser Kerzen wird uns das ganze Jahr über auch in dunklen, zweifenden Stunden mit der Kraft der ersten Vision verbinden.

Im Tanz der Amazonen schließen wir den Kreis und stärken unsere Schwesternschaft durch kraftvolle Schritte in der Schulterfassung. Die Schritte auf die Mitte zu werden von Handbewegungen begleitet. Wir berühren Bauch, Herz und Stirn mit stärkenden Gesten und strecken dann die Arme wie einen Pfeil nach oben. So schaffen wir die Verbindung unserer Visionen mit dem Körper und die des Körpers mit Erde und Himmel.

Mit dieser verdichteten Frauenmacht wenden wir uns nach außen, fühlen sie als Rückenstärkung hinter uns, wenn wir den Bogen spannen und loslassen, um unsere Ideen und Pläne in der Welt zu verwirklichen.

Anna-Maria Lösche, Orientalischer Tanz, Kreistanz, Ritual, Innere Arbeit
Tel. 05033-9630049 info@weiblicher-weg.de www.weiblicher-weg.de

Anna-Maria Lösche, Tanzpädagogin, Wunstorf