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Jenseits von Anstrengung

Von mutigen Mädchen, tanzenden, Mondgöttinnen und weisen Großmüttern ...

Ich liebe es. Es gehört offenbar zu meiner Natur. Ich kreiere gern Zusammenkünfte für Frauen. Meine eigene innere Entwicklung spiegelt sich darin. Mit 15 Jahren saßen wir um ein Lagerfeuer auf der Wiese, wir alberten, sangen, legten uns auf die Erde, schauten in die Sterne. Mit 17 haben wir uns nachts im Wald die Stirn mit Menstruationsblut gesegnet, um dann heimlich in der Dorfkirche um den Altar zu tanzen, mit der Absicht, dem Patriarchat eins auszuwischen.

Mit 20 stand Opas Reiserbesen inmitten roter Kerzen auf dem „Altartisch“ im Speisesaal der dörflichen Bildungsstätte. Thema waren feministische Theologie und die Erforschung weiblicher Spiritualität. Im Kreis saßen – je nach Fasson strickend oder Selbstgedrehte rauchend, junge Frauen wie ich, aber auch meine ehemalige Lehrerin, meine liebe Oma, sowie die kluge Kirchenvorsteherin des Dorfes, von der ich damals noch nicht wusste, dass sie die Großmutter meiner Kinder werden würde.

Jetzt bin ich 50 – und ich höre einfach nicht auf. Weil ich es liebe, wenn Frauen in einem Kreis zusammenkommen und heilsame Dinge tun. So vielen wunderbaren Frauen bin ich seitdem begegnet. So vieles ist seitdem in mir gewachsen und gereift – Lebenserfahrungen, fruchtbare Lehren und Heil-Methoden, Studien, Meditationsformen, Weisheiten, Schmerzen und Evolutionssprünge. So viele Frauenseminare – sie sind mit mir gewachsen. Ein Erfahrungsschatz, alles, was jemals Spaß machte und Wirkung zeigte, ist verfügbar. Wie dankbar ich bin für dieses Lernen und Erweitern! Schmunzelnd blicke ich zurück und inspiriert nach vorn.

Was tun wir heute? Nun ja, wir brechen nicht mehr nachts in Dorfkirchen ein. Es wird nicht mehr geraucht! Aber wir legen uns noch auf die Erde, wir schauen in die Sterne, wir tanzen und sitzen im Kreis. Wir gehen in den Wald und wir schwimmen im warmen Wasser, wenden aktuelles Wissen an und erforschen unser weibliches Sein. Jenseits von Anstrengung, in dem Wissen, dass schon alles in uns da ist, gehen wir durch die kleinen verwunschenen Tore, die in der Mauer unserer Konzepte und Konditionierungen sind – hinein in die zeitlose und strahlende Wirklichkeit. Wir tanzen hinein in die eigene wilde Kraft. Wir tauchen durch und entspannen in der Ganzheit weiblicher Erotik. Wir sitzen gegenüber, die Tür zum Herz geht auf und wir sind da. Es gibt keine Limits in der Evolution, im sich entfaltenden Universum, in unseren Seelenbewegungen.                

Antje Uffmann, HP (Psych.), Bielefeld