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Der Mensch lebt nicht von Brot allein

" ... es muss auch etwas Wurst drauf sein ... ", pflegte mein Vater immer zu sagen, und in den vielen Jahren, in denen ich Ethik-Vegetarier bin, d.h. ich meide den Genuss von Fleisch aufgrund der Achtung vor anderen Lebewesen, konnte ich immer wieder feststellen ...

... dass der Mensch doch auf die Zufuhr fleischlicher Nahrung angewiesen ist, wenn er über einen längeren Zeitraum gesund bleiben möchte.

Dabei ist es sicherlich ganz wichtig, dass man nur Tiere verspeist, die ein artgerechtes Leben führen durften, denn unsere Nahrungsmittel sollen unsere Heilmittel sein, hat Paracelsus gesagt. Zu Recht nennen wir unsere Nahrung auch Lebensmittel, denn es sind Mittel, die uns am Leben erhalten sollen und müssen. Wir achten weniger darauf, ob ein Bekleidungsstück ein paar Euro mehr oder weniger kostet, aber von Milch, Butter und Brötchen kennen wir die günstigsten Preise und schauen danach. Die Bekleidung stellt den Menschen nach außen dar, da ist es manch einem gar nicht bewusst, wie schlecht er ernährt ist – und nur in einem gesunden Körper kann ein gesunder Geist wohnen.

Vor vollen Töpfen verhungern, das erlebe ich jeden Tag bei meinen Patienten, wenn wir ein Vitamin- und Nährstoffprofil im Labor anfertigen lassen müssen, weil man über Haarausfall, Müdigkeit, geringere Belastbarkeit oder wiederkehrende Infektionen klagt. "Aber ich ernähre mich so bewusst," heißt es dann, "alles bio, was ich kaufe …" oder "Ich habe mir einen Ernährungsplan aufstellen lassen, danach ernähre ich mich jetzt erfolgreich …" Tja, und warum bekommen wir dann teilweise so verheerende Laborergebnisse?

Oft ernähren sich die Menschen relativ einseitig, oder sie essen Mischkost, jedoch ein wichtiges Lebensmittel fehlt. Gerade Vegetarier haben fast immer einen Vitamin-B-12-Mangel mit allen daraus resultierenden Folgen. Leider kann dieses Vitamin nur durch rotes Tierfleisch in ausreichender Menge in den Körper des Menschen gelangen und dann muss man sich einfach überlegen, ob man es wie die Indianer macht, die sich bei der Tierseele bedanken, dafür, dass sie ihnen durch ihr Fleisch ein Weiterleben ermöglicht, oder man muss eben gelegentlich eine Injektionskur mit diesem Vitamin machen, weil es dem Körper anders nicht zugeführt werden kann. Ein anderes Problem ist z.B. Selen. Es ist wahrhaftig so, dass unsere Böden derart an Selen verarmt sind, dass die westliche Bevölkerung durchweg unter Selenmangel leidet. Selenmangel ist jedoch ein Nährboden für Schilddrüsenerkrankungen, weil ohne Selen kein Jod verstoffwechselt werden kann. Gerade bei immer größerer Strahlenbelastung ist dies ein wichtiges Thema. Auch der Selengehalt im Körper kann labortechnisch festgestellt werden – wie so viele andere ernährungsabhängige Parameter.

Da müssen wir gar nicht erst alle möglichen Erkrankungen ansprechen, die einen Vitamin- oder Mineralstoffmangel hervorrufen. Es sei jedem ans Herz gelegt, bevor er starke Medikamente einnimmt, einen Vitamin-Mineral-Status anfertigen zu lassen. Aus der Praxis weiß ich, dass bei vielerlei Missbefindlichkeiten durch die einfache Zufuhr von Vitaminen und Mineralien – auch aus Nahrung – aber zusätzlich auch aus die Nahrung ergänzenden Mitteln, schnelle Hilfe erbracht werden kann. Nicht umsonst gibt es extra einen medizinischen Bereich, der sich orthomolekulare Medizin nennt und oft mit einfachen Mitteln große, nachhaltige Wirkung erreicht.

Zum guten Schluss jedoch zum literarischen Ende des Titels "der Mensch lebt nicht von Brot allein – sondern durch das Wort aus dem Geist".

Kristina König, HP, Bielefeld