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Alte Olivensorten haben mehr sekundäre Pflanzenstoffe

In der Volksheilkunde gilt Olivenöl äußerlich aufgetragen als erwärmend und entzündungshemmend. Als Bestandteil der Nahrung regt Olivenöl den Gallenfluss an, verwöhnt die Magenschleimhaut und reguliert überhöhten Bluthochdruck und Cholesterinwerte. Hauptverantwortlich für das große Wirkungsspektrum des Olivenöls sind die sekundären Pflanzenstoffe ...

Die sekundären Pflanzenstoffe dienen dem Olivenbaum ursprünglich der Immunabwehr und sorgen für seine Robustheit und hohe Widerstandskraft. Durch die Pressung von Oliven aus der Frühernte bzw. Ersten Ernte bleiben sie im Olivenöl erhalten. Zu den bekanntesten sekundären Pflanzenstoffen im Olivenöl zählen Polyphenole, Vitamin E und Sterine.

Heute gibt es große Unterschiede im Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen

Alte Olivensorten haben einen hohen gesundheitlichen Wert und übertreffen hochgezüchtete Olivensorten. Sie stammen aus einer Zeit, als es noch keine Hilfsmittel in Form von Pestiziden, künstlichen Düngemitteln und Bewässerung gab. Sie verfügen über eine natürliche hohe Widerstandskraft, die sich in einem außerordentlich hohen Gehalt an Polyphenolen, Vitamin E und Sterine widerspiegelt.

Die heute weitverbreiteten Olivensorten, wie z.B. Arbequina, haben einen geringen Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen und sind dadurch empfindlich und anfällig. Durch den superintensiven Anbau sind sie jedoch profitabler und befinden sich aus diesem Grund in den meisten Olivenölen.

Der Erntezeitpunkt entscheidet über den Erhalt oder den Verfall der sekundären Pflanzenstoffe

Zu dem Zeitpunkt, an dem die grünen Oliven ihre Farbe ins Violett-Schwarze ändern, ist der ideale Erntezeitpunkt, da jetzt der Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen am höchsten ist. Eine Ernte zu diesem Zeitpunkt wird als Erste Ernte oder Frühernte bezeichnet. Bei der Späternte, nur einen Monat später, ist der wertvolle Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen in den Oliven um 90% gesunken, aber dafür ist der Olivenölertrag doppelt so hoch.

Traditioneller Olivenanbau für eine höhere Olivenölqualität und eine nachhaltige Landnutzung

Der Traditionelle Olivenanbau berücksichtigt die Bodengegebenheiten und das vorhandene Klima. In Süd-Tunesien gibt es noch den traditionellen Olivenanbau: höchstens 17 Olivenbäume pro Hektar wachsen gemeinsam mit Mandelbäumen größtenteils sich selbst überlassen. Traditionell anbauen lassen sich nur alte Olivensorten wie die Chemlali Olive, da sie noch eine natürliche Widerstandskraft haben. Der Mangel an "menschlicher Fürsorge" steigert nachweislich den Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen in der Olive, wogegen die künstliche Bewässerung – wie im superintensiven Anbau üblich – zu einer Reduzierung der sekundären Pflanzenstoffe in der Olive führt.

Evelin Krenzer