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Atem ist Bewegung, Fließen, Strömen ...

... und immer wieder Loslassen. Wir können es an uns selbst beobachten, wie selten wir den Atemraum unseres Körpers ganz ausfüllen. Oft bleibt der Atem flach, seltsam „leblos“. Doch Leben in seiner ganzen Fülle bedeutet, das Leben wirklich zu nehmen, es im besten Sinne in sich hineinzunehmen und wieder herauszulassen ...

Aus der Fülle des Seins schöpfen und spüren, ja, da ist Lebendigkeit, Fülle und Freude! Hand aufs Herz: Was haben wir denn, wenn nicht das JETZT? Gestern ist vorbei, morgen noch nicht hier. Wir sind jetzt in diesem Augenblick und haben die Wahl, ganz zu leben.

Im meditativen Zustand gelingt es uns eher, in die Stille und Aufmerksamkeit für uns selbst zu gehen und unseren Lebensatem achtsam wahrzunehmen. Der selbstverständliche und unbewusste Vorgang des Atmens darf zu einem ganz bewussten Akt des Raumnehmens werden. Hier kann Verwandlung geschehen im bewussten Gewahrsein des gegenwärtigen Augenblicks.

In vielen Traditionen finden wir den Atem als die zentrale Instanz, die uns in unsere Mitte zu bringen vermag. Uns in die Lebenskraft des Atems voll hineinzugeben, ist im Rahmen von Meditationen oft eine verblüffend klärende und herzöffnende Erfahrung, kommen wir doch dadurch in Kontakt mit dem, was nicht sichtbar ist. Wenden wir uns der Meditation zu, so lernen wir, in Achtsamkeit zu sein für den jetzigen Moment und unsere körperlichen, seelischen und geistigen Binnenbewegungen. Bringen wir uns über den Atem mit unserem inneren Selbst in liebevollen Kontakt, so nehmen wir uns an als die, die wir zutiefst in unserer Menschlichkeit sind.

Mit dem bewussten Einatmen öffnen und weiten wir uns, wagen das Leben neu, frisches unverbrauchtes Leben, Klarheit für den Geist und Reinheit für den Körper, die volle Lebenskraft und Fülle des Daseins. Im Ausatmen hingegen findet ein Prozess des Loslassens statt, der es uns ermöglicht, uns von Ängsten und alten Erfahrungen zu befreien und gleichsam energetische Schlacken physischer und psychischer Natur herauszulösen. Wir dürfen gehen lassen, was nicht mehr zu uns gehört.

In der Meditation mit dem Atem zu arbeiten, ist ein intensiver Reinigungsprozess auf der körperlichen, emotionalen und spirituellen Ebene. Das kann uns helfen, zu mehr körperlichem Wohlbefinden, emotionaler Ausgeglichenheit und innerem Wachstum zu gelangen, und wir bleiben auch im Alltag wach und präsent.

Bewegte und stille Meditationen bieten hier eine Möglichkeit, sich bewusst mit dem Atem zu verbinden und die wohltuenden Wirkungen zu erfahren. Öffnen wir uns einer neuen Erfahrung, indem wir einfach mal etwas ganz anderes tun als wir gewohnt sind, so erfrischt dies Körper, Geist und Seele und wir bleiben jung und vital. Sich auf diese Prozesse in den verschiedenen Meditationsformen einzulassen, öffnet innere Räume und wir erfahren uns neu.

Gundula Adler