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Warum Heilpraktiker – und warum gerade ich?

Als Horst Seehofer noch Gesundheitsminister war, hat er anlässlich einer Ansprache, die er zur Eröffnung des großen Heilpraktiker-Kongresses in Karlsruhe halten musste, lange überlegt, wozu Heilpraktiker eigentlich gut sind und warum es sie überhaupt noch – neben der "ordentlichen" Schulmedizin – gibt ...

Sein Resümee – und dazu stehe ich heute noch – war damals so richtig wie wichtig: Heilpraktiker haben die über Jahrhunderte/-tausende alte Heilkunde erhalten und weitergegeben, und das ist auch heute noch das Wichtigste.

Dass sie obendrein auch neuen Erkenntnissen der Ganzheitsmedizin gegenüber aufgeschlossen sind, ist ein zusätzlicher positiver Aspekt unseres Berufszweiges. Wer das Alte erinnert und das Neue schätzt, hat eine doppelte Chance auf Erfolg.

Ich habe mir zur lieben Aufgabe gemacht, die alten Heilweisen, die ich von meinen Eltern und Großeltern erfahren habe und die, von denen mir meine lieben, älteren Patienten so erzählen, auszuprobieren, anzuwenden und weiterzugeben.

Medizin basiert und basierte schon immer auf Versuch und Irrtum!

Jeder Einzelne ist ein kleiner Mikrokosmos in sich, der mit keinem anderen im Detail vergleichbar geschweige denn gleich ist, und deshalb ist die Behandlung jedes einzelnen Patienten immer wieder etwas ganz Neues, was den Spaß an unserem Beruf jeden Tag aufs Neue ausmacht.

Lernbar ist recht einfach, wie so ein menschlicher Organismus standardmäßig funktioniert. Dazu gehört ein gutes Gedächtnis und der Wille, etwas Spezielles zu lernen. Das, was aus dem Erlernten dann evtl. Anwendung findet, wenn so ein einzigartiges menschliches Individuum seine Beschwerden beklagt, braucht Wissen und Erfahrung von Jahren, Jahrzehnten, Jahrhunderten ... Kurz gesagt: ein Auto repariert sich einfacher.

Medizin – egal welche – war niemals eine exakte Wissenschaft im Vergleich zu Physik und Mathematik, auch wenn teilweise der Anschein erweckt werden soll. Medizin ist nicht wissenschaftlicher als Erdkunde oder Geschichte. Vielmehr wurde sie seit Jahrhunderten den Künsten zugeordnet. Deswegen ist die Medizin mitnichten und nicht einmal für sich selbst in der Lage je einen "wissenschaftlichen" Beweis zu erbringen. Dieses wurde bereits von höchtsrichterlicher Stelle bestätigt. Weshalb ich mich dann wieder zu dem alten Konsens "wer heilt hat Recht" hinreißen lassen könnte.

Aber so einfach ist auch das nicht, denn der Clou – und auch das weiß jede Fakultät – ist, jeder heilt sich selbst, wenn er Heilung für sich zulassen kann.

Wir, die wir die Heilkunde ausüben (ein schönes Wort mit "üben", immer wieder "üben ...") geben unser Wissen und die Erfahrungen – eigene und überlieferte – weiter und haben ein Handwerk gelernt, was diese Selbstheilung des Einzelnen unterstützen kann. Ich fühle mich als "Gehhilfe" auf dem Weg zur Gesundung, die später dann beiseite gestellt werden und bei Bedarf wieder in Anspruch genommen werden kann.

Niemand, wirklich niemand, benötigt einen Heilkundigen auf Dauer, wenn er sich selbst rechtzeitig entschlossen hat, wieder gesund zu werden. Leider kommt dieser Entschluss oftmals zu spät. Dann können wir Heilkundigen – wieder: egal welcher Fakultät – noch begleitend zur Seite stehen. Auch das ist eine wunderbare Aufgabe, die gelegentlich lange in gegenseitigem Vertrauen aufrechterhalten werden kann.

Sie merken: ich habe den schönsten Beruf der Welt für mich gefunden und lebe ihn mit ganzem Herzen

Kristina König, HP, Bielefeld