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Achtsamkeit in der Sexualität

Auf der Lebensreise ist Achtsamkeit wie ein kleines Licht, das wir mit uns führen – eine Taschenlampe der "Awareness", der Bewusstheit im Inneren. Ist uns dieses Gewahrsein zur Gewohnheit geworden, erweitert sich unsere Wahrnehmung, wir werden zufriedener, unsere Glücksrezeptoren entfalten sich, wir erkennen die Schönheit jedes Augenblicks ...

So können wir auch in schwierigen Momenten präsent bleiben – wir nehmen unsere Angst wahr, den Schmerz, die Emotionen, und wir werden doch nicht von ihnen hinweggefegt, sondern bleiben mit diesem inneren Ort des Schauens verbunden.

Sexuelle Erlebnisräume

Eine grundsätzliche Absicht auf dem Weg des Tantra Yoga ist, Bewusstheit zu entwickeln in allem was wir tun – ob wir gerade Fahrrad fahren, telefonieren, den Hund füttern oder unseren Liebsten küssen. Vor allem aber für unsere Sexualität ist diese Achtsamkeit sehr lohnend, weil wir auf diese Weise Automatismen und Gewohnheiten auflösen und in ein völlig anders Spüren kommen.
Vollständig in die eigenen Erlebnisräume eintauchen zu können erzeugt ein Gefühl des Verbundenseins, der Losgelöstheit, des Glücks. Es stärkt die persönliche Kraft, die Verbindung mit unserer Essenz.

Genitale Entspannung

In der Psychotherapie werden häufig Paare beraten, die sich eine Veränderung in der Sexualität wünschen. Achtsamkeit ist der Schlüssel. Innehalten. Den Atem spüren. Gefühle wahrnehmen. Die Sinne, den Körper. Oft geht es zunächst um eine radikale Verlangsamung. Unsere Genitalien kennen sich nur in Erregung, sich bewegend, zielgerichtet und aufgeladen. Es sorgt jedes Mal für Erheiterung, wenn erklärt wird, dass die erste Paarübung für zu Hause sein wird, die edlen Körperteile einfach mal zusammen entspannen zu lassen. So dass Weibliches (Yoni) und Männliches (Lingam) einfach mal zusammen "aushängen" können. Sich ein bisschen anfreunden, ohne dass gleich so viel "los ist". Ineinander – ohne Erregung, ohne gleich von A nach B zu wollen. Und dann kann etwas entstehen, das eher wie eine Reise ins Blaue ist – mit sehr vielen schönen Erlebnissen am Wegesrand. Im integralen sexuellen Yoga ist Achtsamkeit eine Lebenshaltung. Für viele Paare ist das Üben der sexuellen Achtsamkeit eine Offenbarung mit großem Heilungspotential.

Antje Uffmann, HP (Psych.), Bielefeld