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Hagelüken, Alexander: Das gespaltene Land

"Dieses Buch untersucht, wie Ungleichheit die Bundesrepublik durchdrungen hat und ein politisches Erdbeben auslöst. Und es analysiert, mit welcher Politik sich mehr sozialer Ausgleich erreichen lässt ..."

Alexander Hagelüken ist als leitender Redakteur der Süddeutschen Zeitung für Wirtschaftspolitik zuständig. Seine Bestandsaufnahme der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Realität ist so präzise wie düster – "Deutschland ist heute ein gespaltenes Land", denn schon zu lange profitieren "vor allem jene, die schon haben". Während der Großteil der Deutschen, nach Jahren des "Booms", als "Habenichtse" dasteht.

Man muss keine Nachrichtensendungen oder politisches Kabarett verfolgen, um zu begreifen: die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer, Kinderarmut nimmt zu, vielen Menschen droht Altersarmut, ein sicherer Arbeitsplatz und angemessener Lohn sind für die meisten nur noch Fremdwörter, und wie lange jemand lebt, ist "eine Frage des Geldbeutels". Und das in einem Land, das als Exportweltmeister gilt. "Gewinnexplosion, Millionen für Manager, Steuersenkungen für Reiche und ein karger Sozialstaat: Aus diesem Mix entsteht Ungleicheit", konstatiert Hagelüken. Und: "Es ist wichtig zu verstehen, dass die Politik diese Entwicklung bewusst hinnimmt." Was weitere  bedrohliche Auswirkungen hat: "Die Populisten sind so erfolgreich, weil die etablierten Parteien versagen. Sie ignorieren die Unzufriedenheit der Menschen, die mit stagnierenden Einkommen und Abstiegsängsten der Mittelschicht zusammenhängt".

Damit es nicht zum großen Knall kommt, sind Umsteuern, ein neuer Gesellschaftsvertag, ein entschiedenes Programm gegen Ungleichheit erforderlich. Dazu gibt es konkrete Vorschläge des Autors. So sollten Normalverdiener mehr Netto behalten, Schlupflöcher geschlossen, Vermögen ernsthaft besteuert, Machtmissbrauch am Arbeitsmarkt gestoppt, Sackgassen zu Chancen werden. Eine neue Bildungs- und Sozialpolitik muss her. Ein Staat als Partner, der Benachteiligte fördert, Angst vor Abstieg und Alter wirklich ernst nimmt, kann einer Spaltung entgegenwirken und politische Unruhen verhindern. Er muss es nur tun.

"Das gespaltene Land – Wie Ungleicheit unsere Gesellschaft zerstört – und was die Politik ändern muss" von Alexander Hagelüken, Knaur Verlag, 236 Seiten.

tg