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Green, Graham: Der dritte Mann

"Wenn Sie diese seltsame, ziemlich traurige Geschichte verstehen wollen, müssen Sie wenigstens einen Eindruck vom Hintergrund bekommen – von der zerstörten, trostlosen Stadt Wien, die von den vier Siegermächten in Zonen aufgeteilt worden war; die russische, die britische, die amerikanische und die französische Zone ..."

Rollo Martins, Verfasser von billigen Westernromanen, reist ins besetzte, winterliche Wien der Nachkriegszeit, um seinen alten Schulfreund Harry Lime zu treffen. Bei seiner Ankunft wird dieser allerdings gerade zu Grabe getragen. Offizier Calloway von Scotland Yard konfrontiert Martins damit, dass Lime "so ziemlich der übelste Schieber" war, der "in dieser Stadt je seine schmutzigen Geschäfte gemacht hat" – verdünntes Penicillin, das vielen Kindern das Leben gekostet hat. Martins ist von Limes Unschuld überzeugt und macht sich daran, die Umstände von dessen vermeintlichen Tod aufzuklären. Dabei spielen Limes Geliebte Anna und ein mysteriöser dritter Mann undurchsichtige Rollen ...

Mit Orson Welles und Joseph Cotten in den Hauptrollen schuf Regisseur Carol Reed mit "Der dritte Mann" einen zeitlosen Schwarzweiß-Thriller nach dem Drehbuch von Graham Greene. Legendär sind die Fahrt im Riesenrad, die Verfolgungsjagd durch die Kanalisation und das von Anton Karas auf der Zither gespielte Harry-Lime-Thema.

Nicolaus Stingel hat das Buch 66 Jahre nach dem Kinostart des Films neu übersetzt. Das Ergebnis kann absolut überzeugen, trifft wunderbar den Ton der düster-melancholischen Story, denn wie Greene im Vorwort erklärt, stellt für den Autor "sein Roman natürlich das Beste dar, was er zu einem bestimmten Thema zu leisten vermag". Wenn er auch hinzufügt: "Der Film ist sogar besser als die Erzählung, weil es sich in diesem Fall um die Endfassung der Erzählung handelt ...".

"Der dritte Mann von Graham Greene", Zsolnay Verlag, 159 Seiten. 

tg