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Freeman, Castle: Männer mit Erfahrung

„Sie saßen im Büro und redeten – oder auch nicht. Sie sahen sich in dem kleinen Fernseher, den Whizzer aufgestellt hatte, Spiele an. Wenn Bier zur Hand war, tranken sie es. Die Zeit verging.“ Ein kleines, gottverlassenes Kaff in Vermont. Lillian, eine junge Frau, fühlt sich beobachtet und bedroht. Der zwielichte und gefürchtete Blackway hat es auf sie abgesehen ...

Grund genug, sich aus dem Staub zu machen. Doch Lillian lässt sich nicht einschüchtern, sie bittet Sheriff Wingate um Schutz. Der aber beruft sich auf Recht und Gesetz, sieht sich außerstande, ihr zu helfen: „Für etwas, das er vorhat, kann ich ihn nicht festnehmen“. Wingate schickt sie zu Whizzer, der nach seiner „Begegnung“ mit einem fallenden Baum im Rollstuhl sitzt und in einer ehemaligen, heruntergekommenen Stuhlfabrik ein Sägewerk betreibt.  Sein Büro ist eine Art Klub, ein Treffpunkt für „Männer mit Erfahrung“. „Was für ein Haufen Clowns“, denkt sich Lillian. Immerhin stellt Whizzer ihr den einfältigen Hünen „Nate the Great“ und den betagten, mit allen Wassern gewaschenen und hinkenden Lester Speed zur Seite. Während in Whizzers Büro eine Handvoll alter Haudegen „philosophiert“, über alte Zeiten im Allgemeinen und die Geschichte mit Blackway im Speziellen, macht sich Lillian mit ihren beiden Begleitern auf den Weg, um die Sache zu klären. Gibt es einen Plan? Schwer zu sagen. Aber der Verlauf der Dinge scheint unvermeidlich: „Sie mussten es durchziehn“. In einem riesigen verlassenen Waldgebiet, den „Lost Towns“, kommt es zum Showdown mit Blackway.

Ein witziger, rauher, teilweise harter Roman, in dem trotz vieler Dialoge wenig Worte verloren werden. Gut geschrieben und spannend bis zum Schluss.

„Männer mit Erfahrung“ von Castle Freeman, dtv Verlag, 173 Seiten.

tg