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Boyle, T.C.: Die Frauen

Nach John Harvey Kellog („Willkommen in Wellville“) und Alfred Charles Kinsey („Dr. Sex“) macht T.Coraghessan Boyle mit Frank Lloyd Wright (1869-1959) den bedeutendsten amerikanischen Baumeister der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum Protagonisten seines Romans "Die Frauen" ...

Wie der Titel unschwer erkennen lässt, spielen die Frauen (vier – drei Ehefrauen, eine Geliebte) im Leben des exzentrischen Architekten eine nicht unbedeutende Rolle. Doch eins nach dem andern. Im hinterwäldlerischen Wisconcin erbaut Wright (wegen diverser Brände mehrfach) seinen Traum, das Anwesen Talisien. Hier lebt und arbeitet er mit seinen ihm ergebenen Schülern – und Frauen. Was letztere betrifft nicht immer in Harmonie, sind die "Übergänge" doch fließend. Oder abrupt. So macht ihm die von der jüngeren Olgivanna abgelöste, überdrehte und morphiumsüchtige Miriam die Hölle heiß: "Sie hätte am liebsten alles kurz und klein geschlagen, das Haus verwüstet und in Asche gelegt. Der Boden warf sich ihr entgegen, der Himmel brach über ihr zusammen." Aber nicht nur die Frauen setzen ihm zu, auch die Klatschpresse, Anwälte, Gläubiger, Farmer ...

Rasant, witzig, ernst, kraftvoll. Großartig geschrieben.

"Die Frauen" von T. C. Boyle, Hanser Verlag, 560 Seiten.

Zu empfehlen sind auch: "Drop City", die Geschichte einer Hippiekommune, die in den 70er Jahren von Kalifornien nach Alaska zieht, "Talk Talk", ein spannender Roman, der das Thema des Identitätsdiebstahls aufgreift und wohl Boyles bekanntestes Werk "Wassermusik" (Achtung: 712 Seiten!) - mehr als abenteuerliche Entdeckungsreisen, die den Schotten Mungo Parks um 1800 nach Afrika verschlagen.

tg