Zeitenwende / Blog / Datenschutz im www – Oder: Die Tageslichtlampe

Datenschutz im www – Oder: Die Tageslichtlampe

Ich sitze im Dunkeln. Schuld daran ist dieser Onlineshop vom ****-Versand. Ich gebe zu, ganz schuldlos bin auch ich nicht. Der Preis war geil, da erwachte mein Geiz. Und ich log. Aus hehren Beweggründen – aber ich log ...

Zwei Wochen hat es mich Nerven gekostet. Und Telefongebühren. Und ich sitze immer noch im Dunkeln.

Ich bin ein Verfechter des Datenschutzes. Die Volkszählung habe ich aus Überzeugung verweigert. Damals. Eine Geschichte, die jüngeren Mitmenschen nur noch ein mitleidiges Lächeln entlockt. Deshalb erzähle ich sie nicht mehr. "Akzeptier einfach die AGB, mach dir nicht die Mühe, die auch noch zu lesen", muss ich mir anhören, wenn es um Diskussionen über den Datenschutz im World Wide Web geht.

Um zum Thema zu kommen: Obwohl ich das persönliche Gespräch und den guten Service beim Händler vor Ort schätze und dafür gern etwas mehr bezahle, konnte ich letztes Jahr der Versuchung nicht widerstehen, online ein Schnäppchen zu ergattern. Erstaunlicherweise gelang es mir, die einzelnen Punkte der Online-Bestellung zu bewältigen. Die von mir geforderten Daten tippte ich ohne große Bedenken ein (Vorkasse – bloß keine Bankdaten preisgeben!). Als es um mein Geburtsdatum ging, wurde ich zum Fälscher. Hatte ich doch erst kürzlich einem Artikel, wer weiß wo, die Warnung entnommen, aus Datenschutzgründen niemals das richtige Geburtsdatum einzugeben. Die Bestellung klappte, der gewünschte Gegenstand kam per Post, hatte kleine Macken, doch ich behielt ihn, zu faul, ihn wieder zurückzusenden und umzutauschen. Nun ja.

Vor zwei Wochen kam die Mail, der Newsletter vom ****-Versand: Null Versandkosten, dazu Aktionspunkte, und die Tageslichtlampe, auf die sich meine geschwächten Augen schon lange freuten, im Mega-Angebot. Bei der Online-Bestellung klappte alles bestens, bis mein Geburtsdatum gefordert wurde. Belustigt tippte ich 8 beliebige Zahlen ein – die Bestellung wurde mir mit roten Buchstaben verweigert: Falsches Passwort! Mir ging ein Licht auf. Mein (falsches) Geburtsdatum, das ich letztes Jahr eingegeben hatte (und natürlich nicht mehr wusste) diente als Passwort. Ich rief die kostenpflichtige (!) Kunden-Hotline an, erklärte der Dame am anderen Ende meine Schwierigkeiten, und dass ich mich beim Geburtsdatum wohl vertippt hatte. "Sagen Sie mir doch mal ihr Geburtsdatum. Ich werde den Vorgang umgehend prüfen". Gedankenschnell erfand ich eins und bekam die enttäuschende Antwort: "Das weicht ja völlig ab. Da kann ich nichts machen. Eine Kollegin von mir wird Sie anrufen". Ich wies auf die in 5 Tagen auslaufende Aktion hin, die Aktionspunkte. "Drei, vier Tage wird es schon dauern".

Eineinhalb Wochen später raufte ich mir die Haare. Kein Anruf der Kollegin vom ****-Versand, Aktionspunkte verfallen, ich saß weiter im Dunkeln. Meine Laune hatte sich schwer verfinstert. Weitere Ausgaben, die mir bei Benutzung der Kunden-Hotline enstehen würden, lehnte ich strikt ab. Auf der Webseite des ****-Versands fand ich ein Kontaktformular: Bitte schildern Sie Ihr Anliegen möglichst ausführlich. Ich tat es, sprach von Tippfehler, bat um Rückruf der "Kollegin". Zwei, drei Tage später erhielt ich eine E-Mail, mit der kurzen Aufforderung: "Mailen Sie uns bitte Ihr Geburtsdatum. Wir werden den Vorgang umgehend prüfen".

Ich bestellte den Newsletter vom ****-Versand ab, schwor mir, nie wieder dort zu bestellen. Sogar nie wieder online zu bestellen.

Es sei denn ein anderer Online-Versand hat mal ein Mega-Angebot. Dann notiere ich mir das Geburtsdatum, damit ich es nicht vergesse. So einfach ist Datenschutz!

tg