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Das einzigartige Selbst – Oder: Erwachen mit Bowie

Es gibt Menschen, die versprühen am frühen Morgen Lebensfreude pur, sind gleich voll da, haben direkt nach dem Aufstehen Großartiges vollbracht. Ich gehöre nicht zu diesen Menschen. Bei mir hat die Morgenstund kein Gold im Mund, sondern Blei in den Beinen ...

Na ja, auch im Mund. Soll heißen: Ich schweige mit halbgeschlossenen Augen und taumel so langsam in den Tag. Es sei denn, ich lege David Bowie auf ...

Bestimmte Dinge, die wecken meine Lebensgeister sofort. David Bowie zum Beispiel. Heute ist die neue CD eingetroffen! Und heißt: The next day. 10 Jahre nach der letzten Veröffentlichung ein neues Album von David Bowie. Wow! Stück 6 läuft gerade, und da passiert es: Meine Nackenhaare stellen sich auf, tief in mir regt sich etwas, beginnt im Takt zu schwingen, erfüllt mich mit Glück und Freude. Bowie trifft da irgendwie den richtigen "Nerv".

Rückblende: Ich bin etwa 13 Jahre alt, kann nicht schlafen und höre nachts auf Radio Luxemburg die Single der Woche. Und da passiert es: Meine Nackenhaare stellen sich auf, tief in mir regt sich etwas, beginnt im Takt zu schwingen, erfüllt mich mit Glück und Freude. Ich fühle mich erkannt, verstanden. Ein für mich (damals) unerklärliches Phänomen. David Bowie fragt: "Is there life on Mars?" Heute wissen wir, das ist nicht der Fall. Aber egal.

Es ist nicht allein meine Faszination für den Kosmos, für das Fantastische. Es ist dieser besondere, einzigartige Klang, dieser Ton, den David Bowie mit seiner Musik in mir trifft. Heute weiß ich, dass es mit meiner Persönlichkeit, meiner Seele, mit meinem einzigartigen Selbst zu tun hat. Das einzigartige Selbst ist meine tiefste Verbindung zum Urgrund, zu Gott, das sich durch mich – und durch jeden Menschen auf seine einzigartige Weise – in diesem Leben zum Ausdruck bringt. Das, was mich im "Kern", in meiner Essenz ausmacht, was mir Bedeutung gibt in dieser Welt. Und in Resonanz geht mit diesem Klang von "Life on Mars", von "Heroes", "Heathen", von Stück 6. Das ist beglückend und tief befriedigend. Dazu muss ich nicht in Partylaune sein, muss keinen Alkohol trinken oder mich aufputschen. Dazu muss ich mittlerweile nicht einmal Bowie auflegen. Weil ich mein einzigartiges Selbst entdeckt habe und nicht mehr aus den Augen verlieren werde. Danke, David, dass du schon lange diesen, meinen Ton triffst. Grüß mir Major Tom! Der Morgen fängt gut an. Gibt es auch kein Leben auf dem Mars – ich bin jetzt quicklebendig!

tg