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Goa – Lernen zu lieben, was ist

Man muss nicht nach Indien reisen, um "The Work" von Byron Katie kennen zu lernen. Aber in dieser Kultur, die so viele Gegensätze in sich eint, haben uneingeschränkte Annahme und Liebe, dessen was ist, eine ganz besondere Bedeutung ...

In Goa sind es fast 30 Grad im Schatten, da hilft auch das Strohdach nicht viel, unter dem der Workshop stattfindet. Auf dem Lehmboden sind bunte Kissen verteilt, auf denen die Teilnehmer aus Afrika, England und Deutschland im Schneidersitz sitzen. Wenn der Wind ab und an eine frische Brise schickt, fühlen sich alle irgendwie leichter. Die frische Brise kommt an diesem Tag von zwei Seiten: vom nahe gelegenen Meer in Patnem und von der deutschen Workshop-Leiterin Helga Frey.

Goa Strand

"Es gibt nur drei Arten von Angelegenheiten: meine, Deine und Gottes Angelegenheit!, erklärt die Workshop-Leiterin auf Englisch. Diese Aussage der Amerikanerin Byron Katie bildet die Grundlage für die von ihr entwickelte Methode zur Selbsterforschung "The Work". Dabei wird durch eine einfache, aber wirkungsvolle Fragetechnik die Wurzel unseres Leidens aufgedeckt.

"Leben und Sterben ist Gottes Angelegenheit", sagt die Teilnehmerin in dem blauen Trägerkleid. Eine andere Frau erzählt, dass sie sich im Geist bei anderen entschuldigt, wenn sie merkt, dass sie über sie urteilt. "Was das Beste für andere ist, ist nicht unsere Angelegenheit", stimmt Helga Frey zu. Wir spüren aber, dass es zu Leid führt, wenn wir uns nicht in unseren eigenen Angelegenheiten befinden.

"Das nächste Mal, wenn wir uns gestresst, einsam oder traurig fühlen, können wir uns also fragen: Mit wessen Angelegenheit beschäftige ich mich gerade gedanklich?" Dabei kann es sein, dass wir erkennen, dass wir uns gerade in Angelegenheiten anderer einmischen und deshalb gar nicht präsent sind. Dies führe zu einem Gefühl von Getrenntsein und Leid.

Wann immer uns ein Gedanke bedrückt (z.B. "Klaus hört mir nicht zu"), können wir an die Arbeit ("The Work") gehen und uns die vier grundsätzlichen Fragen stellen: 1. Stimmt das? 2. Kann ich absolut sicher sein, dass es stimmt? 3. Wie reagiere ich auf diesen Gedanken? 4. Wer oder was wäre ich ohne diesen Gedanken? Danach folgt die Umkehrung des leidvollen Gedankens – zum Beispiel wird "Klaus hört mir nicht zu" zu "Ich höre Klaus nicht zu." Dann werden die Teilnehmer aufgefordert, drei Beispiele zu finden, in denen die jeweilige Umkehrung wahr ist ("Wann habe ich Klaus das letzte Mal nicht zugehört?").

Goa Sonnenuntergang

Die Arbeit führt zu einer spürbaren Erleichterung in der Gruppe. Zum einen, weil man einmal alles sagen kann, was einem an anderen und der Welt nicht passt. Zum anderen, weil man durch die Fragetechnik erkennt, dass dies nicht die Wahrheit ist. Es sind urteilende Gedanken, die wir selbst produzieren, weil wir die Gegenwart nicht akzeptieren und verändern wollen. "Aber das ist wie einer Katze das Bellen beizubringen", sagt Helga Frey. "Das kann man sein Leben lang versuchen, aber am Ende macht sie doch wieder miau."

Den Teilnehmern wird eins klar: Wir leiden nicht an dem, was ist, sondern daran, dass die Wirklichkeit anders ist, als wir sie uns vorstellen. "Wenn wir lieben, was ist, wird das Leben einfacher. Die Welt ist genau so, wie sie sein sollte", sagt Helga Frey ganz im Sinne von Byron Katie. Eine Erkenntnis, die durch unseren Geist fegt, wie eine frische Brise vom Meer.

Mehr über "The Work" unter www.thework.at und www.katiebyron.com.
Helga Frey bietet Workshops und Einzel-sitzungen in Süddeutschland und Goa an. Kontakt über www.harmonicingoa.com und helgaf@gmx.net.

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