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Goa – Hausbesuch im indischen Dschungel

Baba Gosh lebt seit mehr als 30 Jahren unter freiem Himmel. Seine Nachbarn im indischen Dschungel sind Leoparden, Tiger und Löwen. Mit ihnen wohnt Baba Gosh Tür an Tür. Nur, dass es im Dschungel eben keine Türen gibt ...

Die Bewohner von Palolem sagen, dass es Raubkatzen in dem Teil des Dschungels gibt, in dem sich vor über 30 Jahren ein Mann aus Surynam, Südamerika, niedergelassen hat. Ob sie ihn dort schon mal besucht hätten? Nein. Niemals. Den Dschungel meiden sie. Und wenn, dann würden sie niemals alleine gehen, niemals ohne Waffe, niemals bei Nacht, niemals ohne Grund. Denn schließlich seien sie ja nicht lebensmüde.

Lebensmüde sieht der 58jährige Baba Gosh, den die Menschen in Indien als heiligen Mann ehren, allerdings auch nicht aus. Ziemlich munter hockt er, nur mit einem Lendenschurz bekleidet, auf einem alten riesigen Baumstamm mitten im Dschungel und schneidet Bananen, Kokosnüsse und Datteln. Dabei passt er sehr genau auf, dass nichts auf die Erde fällt, denn das würde in sekundenschnelle eine ganze Armee von Riesenameisen anlocken. Bisher sind nur vereinzelte Späher in Sicht, die seine Füße tastend umkreisen. "Sie tun nichts. Sie beißen nur, wenn man sich draufsetzt", sagt Baba Gosh und lächelt. "Das würden wir auch tun."

Affen und Schlangen als Gäste

Auch vor größeren Tieren hat Baba Gosh keine Angst. Raubkatzen ist er selbst zwar noch nicht begegnet, aber freche Affen, Schlangen und alle möglichen anderen Kleintiere besuchen ihn des öfteren. Es sind Gäste, mit denen Baba Gosh gerne die Welt teilt. Denn sie gehören hier genauso hin wie er. Warum er in den Dschungel gekommen ist? "Ich bin hier, um zu meditieren", sagt Baba Gosh, der früher als Fotograf durch Asien gereist ist und dabei zufällig seinen spirituellen Lehrer gefunden hat. Er blieb eine Zeit lang bei ihm, ging dann in ein buddhistisches Kloster und fand schließlich seinen eigenen Platz im Dschungel auf Goa. An den Wurzeln eines großen Baumes hat er einen kleinen Altar errichtet mit Kerzen, Räucherstäbchen und Heiligenbildern. Dort sitzt er oft im Schneidersitz, stundenlang, kerzengrade, auf seinen Atem achtend. "Der Atem ist immer jetzt", sagt er. "Er lehrt uns, dass wir nirgends woanders hingehen müssen, als dort, wo wir gerade sind. Da ist es perfekt für uns."

Wohnen ohne Wand und Tür

Und so muss er seine perfekte Umgebung auch nicht verändern. Seine "Wohnung" hat keine Klingel, keine Tür, keine Wände, keinen Fußboden. Er hat sich einfach an einem großen, alten Baum niedergelassen. Nachts schläft er dort auf einer Bastmatte unter dem Sternenhimmel, die Geräusche der Wellen wiegen ihn in den Schlaf, die Grillen zirpen ihr Lied dazu. Die Rinde des Baumes ist ein guter Zahnbürstenhalter. Das nahe gelegene Meer Geschirrspüler, Dusche und Toilette in einem.

Hausbesuch im indischen Dschungel

Manchmal bekommt Baba Gosh Besuch. Meistens von Touristen, die sich durch den Fluss am Ende des Strandes von Palolem auf die andere Seite wagen, um von dem heiligen Mann unterrichtet zu werden oder sich heilen zu lassen. Mutige Besucher bleiben gleich elf Tage und Nächte im Dschungel zur sogenannten Vipassana-Meditation, bei der nicht gesprochen werden darf und alles in Zeitlupe geschieht. Zur Begrüßung der Sonne praktiziert Baba Gosh jeden morgen um 5.45 Uhr eine Stunde lang Yoga. Um 15.00 Uhr gibt er Reiki-Heilungen. Und zwischendurch immer wieder Meditationsübungen. Alle Angebote sind offen für Besucher, die den Weg zu Baba Gosh in den Dschungel finden.

Vergiss, dass du dort bist

Und wer sich jetzt fragt, warum ein erfahrener Meditierender keine Angst vor wilden Tieren hat, der sollte Baba Gosh einmal in Indien besuchen und seine eigene Antwort finden. Nur soviel sei vorab verraten, ich habe Baba Gosh natürlich auch gefragt, was Meditation für ihn bedeutet. Seine Antwort: "Bleib einfach in der Mitte und beobachte – und dann vergiss, dass du dort bist." So gesehen, ist es dann auch völlig unwichtig, ob die Bewohner von Palolem recht haben und irgendwann eine Raubkatze vor Baba Gosh steht.

Hausbesuch

Wer Baba Gosh besuchen möchte, findet ihn von November bis April auf der indischen Halbinsel Goa, in dem nahe Palolem Beach gelegenen Dschungel. In den anderen Monaten reist der spirituelle Meister durch andere Teile der Welt. Er gibt Unterweisungen in englisch, französisch, spanisch und deutsch.

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