Zeitenwende / Alternatives Reisen / Goa – Biofarm statt Bollywood

Goa – Biofarm statt Bollywood

Indien einmal anders: Zu Besuch bei einer deutsch-indischen Familie und ihrer ökologischen Farm im grünen Hinterland von Goa. Wer zu der Biofarm von Ajit Malkernekar ins indische Goa fährt, den erwartet nach einer kurzen Fahrt durch dichte Staubwolken ein kleines Paradies ...

Der Weg zur Farm, die etwa 60 Kilometer landeinwärts in den Ausläufern der bewaldeten Höhenzüge Western Ghats liegt, führt über eine von zahlreichen Trucks befahrene Route. Stoßstange an Stoßstange schieben sich die Trucks unter lautem Getöse durch die heiße Sonne. Voll beladen mit Eisen- und Manganerzen aus der nahe gelegenen Mine. Gästen gibt Ajit daher den Tipp, in der Mittagszeit zur Farm zu fahren – denn dann müssen die Truckfahrer eine Pause einlegen, damit die Schulkinder sicher ihren Heimweg antreten können.

Die Fahrt ins grüne Hinterland von Goa lohnt sich. Vom Flughafen aus sind es etwa eineinhalb Stunden bis zur Biofarm der Malkernekars. Hier haben der Inder Ajit und seine deutsche Frau Doris ihren Traum verwirklicht und betreiben seit 1984 eine ökologische Farm mit pflanzlicher Mischkultur und Milchwirtschaft. "Zugegeben, die Arbeit auf dem Hof und drum herum war und ist sehr zeitintensiv", sagt Ajit. "Unsere drei Kinder und wir wurden aber entschädigt durch ein unbeschwertes Leben auf dem Lande mitten in einer blühenden und grünen subtropischen Landschaft." Heute pendeln die Eheleute mehrmals im Jahr zwischen Seelze bei Hannover und Karmane bei Sanvordem in Goa hin und her. Von der norddeutschen Apfelernte zur Kokos- und Betelnussernte an die Westküste Indiens.

Fennyschnapsfrucht

Alles, was man sich wünscht

Wie viele Pflanzen mittlerweile auf der Biofarm in Indien wachsen, weiß Ajit selbst nicht so genau. Aber ein guter Freund von ihm aus Deutschland hat sich bei einem Besuch mal daran gemacht das Gelände mit einem Kompass in der Hand abzugehen, es in Planquadrate einzuteilen und die Palmen genau zu zählen. Kategorisiert in klein, mittel und groß. Das Ergebnis: Etwa 1000 Kokospalmen wachsen mittlerweile auf der Biofarm. Dazu kommen noch zahlreiche andere tropische Pflanzen wie Betelnüsse, Bananen, Mango, Papaya, Pfeffer und Jackfruit. Wobei die vielen Kokospalmen das Bild der Farm dominieren. Sie sind vielseitig verwertbar: Die Wurzel als Brennholz, der Stamm zum Hausbau, der Palmwedel als Wand oder Dachabdeckung, das Fruchtfleisch und die Milch als Lebensmittel. "In Sanskrit nennt man so etwas Kalpavraksh", sagt Ajit. "Das bedeutet: Es gibt mir alles, was man sich wünscht."

Zur Selbstversorgung baut die Familie nicht nur Obst und Gemüse an, sondern hat neben Bienen auch Hühner und Kühe. Die Hühner laufen frei auf der Farm herum und legen manchmal zur Erheiterung der Gäste am späten Morgen ihre Eier in die noch warmen Kopfkissen der Betten. Die Kühe liefern zum einen Milch, zum andern ist der Dung wertvoller Rohstoff für die farmeigene Biogasanlage. Um den Vertrieb der Milch zu gewährleisten haben Malkernekars mit den Bauern aus dem Nachbarort eine Milch-Kooperative gegründet, die heute seit mehr als zehn Jahren zwischen 100 und 150 Liter Milch pro Tag liefert. Der Solartrockner auf der Farm ermöglicht es der Familie anfallende Früchte zu konservieren und für den Verkauf vorzubereiten. Außerdem bietet der Trockner den Kleinbauern aus der Umgebung die Möglichkeit, vor Beginn des Monsuns ihre Chilischoten zu trocknen und damit einem möglichen Verlust ihrer Ernte vorzubeugen.

Übernachten im Palmengarten

Guesthouse
Fenster zum Hof

Seit kurzem bietet die Familie auch Besuchern die Möglichkeit, auf der 20 Hektar großen Farm zu übernachten. Hierfür stehen inmitten eines tropischen Palmengartens zwei typisch goanische Gästehäuser mit Veranda zur Verfügung. Hausherr Ajit lässt es sich dann nicht nehmen, für die Gäste selbst zu kochen und sie auf der Farm herumzuführen. Wer Glück hat, kommt gerade recht zur Cashew-Ernte. Dann werden nicht nur die Cashew-Nüsse gesammelt, sondern aus dem Fruchtfleisch ein exotisch schmeckender Schnaps gebrannt, der Fenny.

Seit 24 Jahren betreiben die Malkernekars ihre Farm nun erfolgreich. Anfangs gab es keine Infrastruktur auf und in der Nähe der Farm. Keinen elektrischen Strom, kein fließend Wasser, kein Telefon, keine Toilette, keine öffentlichen Verkehrsmittel. Inzwischen versorgt eine Elektropumpe die Farm mit Wasser, gekocht wird mit Gas aus der Biogasanlage, es gibt Gästehäuser, Duschen, Toiletten und ein Weg führt direkt zur Farm. Ein Weg, den man unbedingt bis zum Ende fahren sollte, denn hinter den staubigen Straßen voller brummender Trucks verbirgt sich ein kleines, grünes Paradies.

Mehr Informationen unter
www.sussegado.com

tr